Zürich, um mit Hilfe seines Zürcher Vetters, Johann Anton Pestaluz-Schwyzer, und auf
Grund eines Urteils der Ratskommission das hier angelegte Kapital seines Vaters
herauszuholen.
Als Francesco Pestalozza in die Stadt seiner Väter, Chiavenna, zurückkehrte, fand er
veränderte Verhältnisse vor. Die evangelische Kirche bestand nicht mehr. Die Anhänger des
neuen Glaubens, die eine Kirche besuchen, ihre Toten bestatten oder ihre Kinder taufen
lassen wollten, mußten einige Stunden talaufwärts wandern, am verschütteten Flecken Plurs
vorbei bis über die frühere Landesgrenze, die heutige Schweizer Grenze.
Unmittelbar dahinter steht die alte Kirche von St. Johann zu Castasegna. Der alte Landesteil
war vom Religionskrieg nicht erfaßt worden. Hier fand sich für viele Generationen die Kirche
der wenigen evangelisch gebliebenen Einwohner der Grafschaft Chiavenna. Hier hat bald
auch Francesco seine letzte Ruhestätte gefunden.
Sein Sohn Julius de Pestalotiis blieb in Chiavenna. Er ward ein erfolgreicher Handelsmann, der
sich nach dem Dreißigjährigen Krieg dem Speditionsgeschäft widmete. Er unterhielt einen
Agenten in Riva am Comersee. Als solcher amtete Paolo Giani. Im Jahre 1663 richtete er eine
besondere Faktorei ein
535
.
Auf seinem Grabmal wird er als Ritter bezeichnet («Miles»). Er war ein Beschützer der
evangelischen Gemeinde in Chiavenna. In seinem Hause versammelte er 1676 die
Protestanten, die beschlossen, der Kirche zu Castasegna die Glocken zu stiften. Sein ältester
Sohn, Giovanni Pietro Pestalozza, wurde gleich beauftragt, das Metall für diese
Kirchenglocken einzukaufen
536
.
An dieser Versammlung nahmen auch Gubertus Pestalozza (? etwa 1693), ein Gro
ßneffe des
Zürcher Stammvaters, teil.... «neue» Kirche in Castasegna war 1659 erbaut worden. Der Bau
war besonders gefördert worden durch den Gubernator Ritter Agostino Gadina de Torriani
und seine Frau Lidia geb. Pestalozza (a 1610, ? 1676), deren prachtvolle Ged
ächtnistafel die
«neue» Kirche schmückt, und durch Frau Barbara von Salis geb. Pestalozza, die Tochter des
Giovanni Battista Pestalozza und Gattin Guberts von Salis zu Soglio.
In Castasegna begrub Ritter Julius Pestalozza 1645 seine erste Frau, Sara Pestalozza. In
zweiter Ehe vermählte er sich mit Elisabetha Brochia, aus dem Plurser Geschlecht der de
Brocco.
Er brauchte dazu, wegen «dazwüschend etwas anhangender Verwandtschaft», eine
Bewilligung der Landesregierung, «damit die Sponsalia ihren Fortgang mögen haben»
537
.
An
einer Stelle wird Julius Pestalozza auch als Luogotenente bezeichnet, was in Chiavenna soviel
wie «Statthalter des Kommissars» oder oberster Verwaltungsbeamter der Grafschaft
bedeuten würde. Jedenfalls aber ist er eine der bedeutendsten Persönlichkeiten des
Geschlechtes in Chiavenna um die Mitte des 17.Jahrhunderts.
Als er 1679 starb, wurde auch er gemäß seinem Wunsche nach Castasegna zur letzten Ruhe
geführt.
Die Inschrift auf der wappengeschmückten Grabtafel lautet
538
:
Gesellschaft Graubündens, 1938 (zum Jahre 1621).
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Staatsarchiv Graubünden, Chur, Bundestagsprotokolle, Bd. 39, S. 100-109 (1676).
536
Mitteilung von Theophil v. Salis aus den Akten der evang. Gemeinde Castasegna (von 1926). Libro Mastro
della Chiesa Evangelica di Chiavenna (1945 im Besitz Th.v. Salis, Rüschlikon), S. 42.
537
Staatsarchiv Graubünden, Chur, Bundestagsprotokolle, Bd. 27, S. 11(21.11.1649).
538
Castasegna, alte Kirche, an der Außenwand.