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Zweite etappe: Luzein im Prättigau
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Die meistbefahrene Skitour im Gebiet der östlichen Schweizer Alpen ist im Parsenngebiet die
Abfahrt von Weißfluh nach Küblis. Zu Hunderten und Hunderten sausen an schönen
Winter-Sonntagen die skibegeisterten Fahrer auf dieser Route zu Talins Prättigau hinunter.
Und wenn einer kurz vor dem Endziel Küblis den Blick von der Piste erhebt, dann erblickt er
auf der gegenüberliegenden Talseite auf einer der unteren Terrassen des Rätikonmassivs ein
hübsches Bündner Dorf in der Sonne.
Es ist Luzein. Ein paar mächtige alte Steinhäuser bilden den Dorfkern. Das schönste davon
mit behäbigem Hof ist das Haus der berühmten Familie Sprecher. Hier lebte ein Zweig dieses
alten, einflußreichen Geschlechts. Durch ihre Verbindung mit der Familie der Sprecher von
Bernegg sind die Pestalozzi nach Luzein gekommen.
Tafel 120 - Pestalozza-von Sprecher Wappen
Johann Anton Pestalozza
(a 1644, ? 1712), der Sohn des Julius Pestalozza, hatte (kurz nach
1676) Anna Maria Sprecher von Luzein geheiratet. Ihr Großvater, Andreas Sprecher von
Bernegg (1568-1638), hatte als Kommissar in Chiavenna regiert. Auch ihr Vater hatte enge
Beziehungen zu Italienisch-Bünden; Heinrich Sprecher (1615-1685) war Landshauptmann des
Veltlins. So wurde Johann Anton Pestalozza in die regierenden Kreise Bündens eingeführt. Er
war Arzt und wurde nicht nur von der Bevölkerung, sondern auch von der Regierung in
Anspruch genommen. So wird er, als 1681 eine Seuche drohte, an die Grenze gegen Italien
abgeordnet als «Commissario sanitatis». Gleichzeitig war er auch Mitglied der Delegation,
welche zur Abnahme der Rechnung der Grafschaft Chiavenna ernannt wurde. Es war dies
eine außerordentlich wichtige Funktion, denn in der Rechnungsabnahme bestand praktisch
die einzige regelmäßige Aufsicht über die Verwaltungs- und Regierungstätigkeit des
Kommissars
544
. Beim Volk hieß Johann Anton Pestalozza der «Doctor Luna», weil er der Linie
der Pestalozza de Luna angehörte
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. Bald genoß er in seinem neuen Wirkungskreis in Luzein
hohes Ansehen. Schon 1690 ist er Landammann des Hochgerichtes Castels-Luzein, eines der
souveränen Hochgerichte, die zusammen den Zehngerichtebund bildeten
546
. Da er Miterbe
der Herrschaft Tagmersheim in der Pfalz war, wohnte er zeitweise dort. Auf jener Besitzung,
in Monheim, ist er auch gestorben. Er wurde am 24.Februar 1712 in Solnhofen begraben.
In Luzein wie auch als Herr zu Tagmersheim wurde sein Sohn
Julius von Pestalozza
(? 1738)
sein Nachfolger. Wahrscheinlich ist Herkules Hyppolitus von Pestalozza (1683-1751), der zu
                                                
543
Stammtafel 33
544
Bayer. Staatsarchiv Neuburg, Pfalz-Neuburg, Akt Nr.5231, Blatt 59 (Schreiben der Drei Bünde 20.12.1681).
545
Staatsarchiv Graubünden, Chur, Bundestagsprotokolle, Bd.42, 5. 136 (3.9.1681).
546
Ebenda, Bd.49, S. 588 (1690).
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