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Wien lebte, 1739 Reichsfreiherr und 1744 Feldmarschall-Lieutenant wurde, ebenfalls ein Sohn
Johann Antons zu Luzein. Ober ihn haben wir im Kapitel, das von den Freiherren Pestaluzzi
zu Wien handelt, berichtet. Die beiden Töchter hatten sich in Luzein vermählt, Sara (1690-
1761) mit dem Landammann des Hochgerichtes, Jan Müller, aus einem alten Luzeiner
Geschlecht, Cordula Magdalena mit Ambrosius Gujani von Fideris, der als Offizier in Chur
lebte.
Julius von Pestalozza (? 1738) nannte sich Baron von Tagmersheim. Seine Gattin, Regina von
Pestaluzza (1694-1754), entstammte der Churer Linie und war eine Schwester des
Bürgermeisters Hercules Pestaluzza zu Chur. Julius von Pestalozza schlug im Bündnerland
die politische Laufbahn ein und bekleidete eine Reihe von Ämtern, die nur begüterten
Gliedern der regierenden Familien offen standen. In der Amtsperiode 1707 bis 1709
verwaltete er als Podestat die Amtsschaft des Bezirkes Trahona im Veltlin. Die
Amtsübertragung erfolgte in der Weise, daß jedes Hochgericht innert zweiundvierzig Jahren
einmal das Amt mit einem seiner Bürger besetzen konnte. Der Erwerber einer solchen
Amtsstelle mußte aber nicht nur die nötigen Stimmen kaufen, er mußte auch seinem
Hochgericht einen festgesetzten Preis zahlen. Der Kaufpreis des Podestates zu Trahona
betrug damals 3500 Gulden. Im Jahre 1709 war Julius von Pestalozza Assessor der
evangelischen rhätischen Kirchensynode. Dann wurde auch er zum Landammann des
Hochgerichtes Castels-Luzein gewählt. Als 1713 sein Hochgericht an die Reihe kam, die
Landvogtei Maienfeld zu besetzen, wurde er Landvogt zu Maienfeld. Das Amt kostete ihn
2500 Gulden. So zog er für eine Zeit in das Stadtschloß zu Maienfeld, die Residenz des Vogtes
dieser Herrschaft
547
. Ziemlich oft hielt sich die Familie in den folgenden Jahren auch in ihrer
eigenen Herrschaft Tagmersheim auf, wo einige ihrer Kinder zur Welt kamen. In Luzein
besaß Julius von Pestalozza Haus und Güter. Das von Christoph Sprecher von Bernegg um
1700 erbaute Haus, das spätere Haus Putzi, kam durch Erbschaft an die Familie Pestalozzi. Es
ist geziert durch barocke Schnitzerei an der Haustüre
548
. Das Pestalozzi-Haus zu Luzein ist
das unterste des eigentlichen Dorf kerns, unterhalb des sogenannten «großen Hauses» der
Familie von Sprecher.
In der nächsten Generation erfolgte die endgültige Trennung zwischen Luzein und
Tagmersheim. Die Güter in der Pfalz wurden vom ältesten Sohn, Joseph Johann Anton
Bernhard von Pestalozza (1711-1759), übernommen, während die übrigen Geschwister in
Luzein blieben. Anna Maria von Pestalozza hatte 1734 noch eine weitere Verbindung mit der
Familie Sprecher besiegelt. Ihr Gatte, Junker Johann Sprecher von Bernegg (1703-1745), war
Offizier in holländischen Diensten und amtete für zwei Jahre als Podestat zu Teglio.
Herkules von Pestalozza (a
1721) ergriff wie sein Vater die politische Laufbahn. Schon mit
zwanzig Jahren war er Abgeordneter des Hochgerichtes zu den Bundestagen. Sein
militärischer Grad war Kapitänlieutenant. Im Jahre 1747 wurde er wie schon sein Vater und
Großvater Landammann des Hochgerichtes Castels-Luzein. Diese Würde war seit etwa 1660
in der Familie Sprecher nahezu erblich geworden, und nur wenige andere Geschlechter
Luzeins fanden dazu Zutritt. Im gleichen Jahre vermählte er sich mit Barbara à Porta von
Schuls im Unterengadin
549
.
                                                
547
Stammtafeln des alten rhät. adel. Geschlechtes Pestalozza, bearb. von Anton v. Sprecher Bernegg, 1855
(Manuskript).
548
Das Bürgerhaus in der Schweiz, Bd. XVI (Kanton Graubünden, III. Teil), Zürich 1925, S. XLVII und Tafel 95,
98, 102.
549
Die meisten genealogischen Angaben sind dem Kirchenbuch von Luzein, im Zivilstandsamt der
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