jedoch mit Vorbehalt eurer Güter zu Rorbach, Enßheim, Hagenbuch, Purkmershoven,
Spindelthall und Müllheimb. Der Kauf wird ratifiziert, wan gedachter Pestalozzi als ein
unkatholische und außländische Person.... 100 Dukaten Baars erlegt. Er muß den
Religionsmandata nachleben und seine künftigen Kinder in unserem
alleinseligmachenden katholischen Glauben auferziehen lassen, und nach Absterben
seines Vaters sich zu unserer Religion begeben.»
Franz Pestalozza unterwarf sich dieser Bedingung nicht. Da aber auch der Pfalzgraf ein
Interesse daran hatte, daß diese Dörfer seines Herzogtums wieder in die Hände eines
leistungsfähigen Gutsherrn kamen, verzichtete er auf die Forderung, daß Franz Pestalozza
und seine Nachkommen katholisch werden sollten. Er schrieb dem künftigen
Rittergutsbesitzer daher am 18.Mai 1672: Da er, Franz Pestalozzi, der neuen Religion zugetan
sei, könne er Gewissensfreiheit genießen, aber er müsse den Religionsmandaten nachleben
und dürfe nur katholische Dienstboten haben
557
.
Tafel 124 Sofia, Gräfin von Pestalozza geb. Freiin Lochner
So wurde Franz Pestalozzi durch Herzog Philipp Wilhelm den Pfalzgrafen am 6.Oktober
1672 zum Landsassen angenommen, sieben Jahre bevor seine beiden Brüder die Landrechte
Graubündens erwarben
558
. Am 16.September 1672 hatte zu Augsburg die Hochzeit zwischen
Franz Pestalozza und Clara Brocco stattgefunden. Es sollte aber noch nicht zur Begründung
eines neuen Geschlechts kommen. «Nach erbrachten dritthalb Jahren in allergesegneten Ehe»
starb die junge Frau an den Folgen einer Frühgeburt
559
. Franz Pestalozza trat darauf als
Hauptmann einer Kompagnie zu Fuß in die Kriegsdienste seines neuen Landesherrn. Bevor
er aber zu Felde zog, setzte er sein Testament auf und sorgte dafür, daß die Erbfolge in der
Herrschaft Tagmersheim, die ihm in eigenen Nachkommen nicht beschieden war, durch
seine Brüder sichergestellt wurde. Die Hauptbestimmungen dieses Testamentes sehen
folgende Regelung vor:
557
Ebenda, Bl. 14 (18.5.1672).
558
Ebenda, Bl. 1 (5.10.1672) und 2 (6.10.1672).
559
Grabmal vom 25. März 1675, lt. Inventar im Pfarrarchiv Tagmersheim (Nr.6).