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führte eine Anwaltspraxis. Ein Prozeß, an dem er maßgebend mitwirkte, ist in die Geschichte
eingegangen. Es ist einer der interessantesten Prozesse in der neueren deutschen Geschichte,
der sogenannte «
Dolchstoßprozeß»,
der im Jahre 1925 durchgeführt wurde und in dem es um
die Frage ging, die das ganze Volk brennend interessierte, ob die Niederlage im Ersten
Weltkrieg verursacht worden sei durch das politische Vorgehen der Sozialdemokraten im
Hinterland, den sogenannten Dolchstoß in den Rücken der Armee. Ein Ehrverletzungsprozeß
zwischen zwei Zeitungsredaktoren schuf die Möglichkeit, diese brennende politische Frage
in der Form eines gerichtlichen Verfahrens zur Entscheidung zu bringen. Hier hatte Graf
Pestalozza Gelegenheit, seine glänzende forensische Begabung spielen zu lassen. Während
eines Monats zogen Hunderte von Zeugen und Sachverständigen, berühmte Heer- und
Flottenführer, erfolgreiche und andere Politiker vor den Schranken vorüber
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. Mit größter
Spannung erwartete Deutschland den Richterspruch. Es ist gewiß nicht zuletzt der
prozessualen Erfahrung und Gewandtheit, der Schlagfertigkeit und juristischen
Beredsamkeit Graf Pestalozzas zuzuschreiben, wenn schließlich das Urteil so lautete, wie die
Nation glaubte und erwartete, und wenn sein sozialdemokratischer Prozeßgegner unterlag.
Bei der merkwürdigen Prozeßgläubigkeit der Deutschen -
und übrigens auch anderer
Nationen - war nun rechtskräftig festgestellt, was sie zu wissen begehrten: daß nämlich der
Verlust des Krieges 1914-1918 nicht infolge einer Niederlage der deutschen Armee
eingetreten wäre, wenn nicht .
Tafel 129 – Josef Graf von Pestalozza, 1868-1930
(Justizrat in Nürnberg)
Graf Anton von Pestalozza ist ohne Nachkommen verstorben. Die Linie der Familie blüht
aber noch in Berlin, wohin sie durch Graf August von Pestalozza (a 1876) verpflanzt worden ist.
Er hatte sich der Wissenschaft zugewandt. Nachdem er seine Jugend bei Benediktinern und
Jesuiten verlebt hatte, war er zur evangelischen Kirche übergetreten. Er studierte in
Darmstadt, sodann in Würzburg Philologie, in München Rechtswissenschaft und in Berlin
klassische und romanische Philologie. Dann war er Lehrer in Frankreich, um sich hernach in
                                                
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Ewald Beckmann, Der Dolchstoßprozeß in München, München 1925.
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