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Berlin der Ausbildung der Volksschullehrer zu widmen. Er hat zahlreiche Arbeiten aus dem
Gebiet der Pädagogik veröffentlicht. Zu Neukölin bei Berlin amtete er als Leiter des
königlichen Gymnasiums. Dann wurde Dr. phil. und Oberstudiendirektor Graf August
Pestalozza Dozent an der Humboldt-Hochschule in Berlin
572
. Sein einziger Sohn, Graf Baldur
von Pestalozza, Dr. iur. und Rechtsanwalt, ist während des Zweiten Weltkrieges durch
Flugzeugabsturz verunglückt. Er hat zwei Söhne hinterlassen.
Der Begründer der dritten Linie ist Graf Otto von Pestalozza (1825-1900), der Gutsbesitzer zu
Siebenbrunn bei Augsburg war. Die markanteste Persönlichkeit dieses Stammes ist sein Sohn
Josef Graf von Pestalozza (1868-1930). Dieser war am 17.Juni 1868 in Augsburg geboren. Er
entschloß sich zum Studium der Jurisprudenz, das er in München abschloß. Die juristische
Begabung hatte er von seinem Großvater mütterlicherseits, dem Landrichter Franz Dauer,
geerbt. Nachdem er auf der Amtsanwaltschaft der Polizeidirektion in München und als
Bezirksamtsassessor in Scheinfeld sich in die forensische Praxis eingearbeitet hatte, heiratete
er 1900 die Tochter des Justizrates Eugen Martin in Nürnberg und ließ sich als Rechtsanwalt
in dieser Stadt nieder. Neben seiner anwaltlichen Tätigkeit schlug er auch die politische
Laufbahn ein. Bei der bayrischen Volkspartei war er ein gesuchter und gerngehörter Redner
an politischen Versammlungen. Mit zündenden Worten wußte er die Zuhörer mitzureißen,
wenn es um die Verteidigung katholischer Anschauungen oder um die Bekämpfung der
Freidenkerbewegung ging. 1911 zog er als erster Vertreter des Zentrums in das Nürnberger
Gemeindekollegium ein. Seit dem Jahre 1906 war er Mitglied der Kammer der Abgeordneten,
und nach dem Ersten Weltkrieg, 1921, wurde er in den bayrischen Landtag gewählt
573
. Vom
König von Bayern war er wie viele seiner Vorfahren zum Kämmerer ernannt worden. Als
hervorragender Vertreter des Anwaltsstandes wurde er Geheimer Justizrat. Der Papst erhob
ihn zum päpstlichen Kämmerer «di spada e cappa». Aber nicht nur bei den Großen seiner
Zeit, sondern auch bei den kleinen und bescheidenen Volksgenossen stand er in hohem
Ansehen, denn er scheute es nicht, gelegentlich einem Armen oder Verachteten seinen
Beistand zu leihen und sich für die Durchsetzung des Rechts einzusetzen, auch wenn es keine
zahlungsfähigen oder gesellschaftlich angesehenen Klienten waren.
Seine Größe lag in der politischen Führung des Katholizismus. Nicht nur in großen
Versammlungen, auch in Schulungskursen wirkte er für seine Weltanschauung. Im
Parlament trat er besonders nach dem Ersten Weltkrieg hervor. Er war Berichterstatter zum
Wahlgesetz 1919/20, zum Beamtenrecht und zu den Besoldungsproblemen in der
Inflationszeit. Ihm war auch die Führung bei der Beratung sämtlicher Justizgesetze
anvertraut sowie bei zahlreichen Verfassungsfragen. Die undankbarste Aufgabe wurde ihm
auferlegt, als er Berichterstatter des Untersuchungsausschusses über die Vorgänge des Jahres
1923 (Hitler-Putsch) wurde. Mit mutiger Offenheit und geistiger Schärfe hat er 1924 die
Verlogenheit der nationalsozialistischen Bewegung gegeißelt und an der Führung des Hitler-
Prozesses Kritik geübt. Das hat ihm den Haß der heraufkommenden Machthaber zugezogen,
und ihre Angriffe haben seine letzten Lebensjahre verdüstert. Er hatte die Genugtuung, daß
seine Angreifer damals als Verleumder verurteilt wurden. Die große nationalsozialistische
Rechtsverwilderung hat er nicht mehr erlebt. Er starb in Erlangen am 26.August 1930.
                                                
572
Wer ist‘s?, hg. v.Herm.Degener, VIII.Ausg., Leipzig 1922.
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Ebenda, Nachruf in der Bayerischen Volkszeitung, 28.8.1930.
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