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 329
V. -
FRANKREICH
Lyon, die Stadt der Seide
Lange bevor die Zürcher Seidenherren ihre Söhne nach Lyon zur Ausbildung schickten,
hatten die Pestalozzi in Chiavenna schon direkte Beziehungen mit Lyon aufgenommen. Seit
etwa der Mitte des 16.Jahrhunderts waren sie regelmäßig für kürzere oder längere Dauer in
jene Stadt an der Rhone gereist, und im Laufe der Zeit hatten sich einzelne Vertreter des
Geschlechtes dort niedergelassen, zunächst für einige Jahre, bald dauernd.
Tafel 131 - Wappen von Lyon
Schon im 15.Jahrhundert siedelten sich in Frankreich italienische Seidenweber an. Von
Ludwig XI. war die Stadt Lyon ausersehen worden als Sitz einer privilegierten Industrie. Das
Seidengewerbe wurde durch die Stadt und durch königliche Patente begünstigt. Die
hochentwickelte Seidenweberei übte naturgemäß auch auf die Lieferanten der Seide aus
Italien große Anziehungskraft aus. Zahlreich waren die Kaufleute, die das Rohmaterial aus
Italien und dem Orient herbeischaffen und den Vertrieb der fertigen Stoffe vermitteln
konnten.
Im Anfang des 17.Jahrhunderts, zu einer Zeit, als in Lyon gegen zwanzigtausend Webstühle
beschäftigt wurden, gehörte die Firma Pestalozzi zu den bedeutendsten Seidenhändlern der
Stadt. Andere hervorragende italienische Häuser in Lyon waren die Pazzi, Capponi, Pitti,
Alamani und aus der näheren Heimat, dem Comaskischen und Chiavenna, die Pellizari, Piri,
Lumaga
574
.
Die Pestalozzi aus der Linie der Porretini (Stammtafel 7) waren die ersten und die
erfolgreichsten in Lyon und sind von allen Pestalozzi auch am längsten dort geblieben. Aus
dem Jahre 1569 datiert das erste Empfehlungsschreiben der Ratsboten der Drei Bünde von
ihrer Tagsatzung in Ilanz für die adeligen Herren Carlo, Sohn des Franciscus Porretinus de
Pestalozziis,
und
Johannes Petrus,
Sohn des Andreas
de Pestalozzis,
für eine Reise nach
Frankreich, Spanien, Venedig und Savoyen
575
. Das lateinische Dokument versah die Stelle
eines Reisepasses für die nach Lyon ziehenden Kaufleute. Mit der Firma der Pestalozzi-
Porretini werden wir uns noch befassen, da sie eine hervorragende Stellung einnimmt
576
.
Der zweite in diesem Dokument genannte Pestalozzi, Johannes Petrus (a 1542, ? 1612), der
                                                
574
O. von Schorn, Die Textilkunst, Leipzig 1885.
575
Familienarchiv Zürich, I B 12 (17.1.1569).
576
Über die Pestalozzi-Porretini siehe das aus Paris stammende Dossier im Familienarchiv Zürich, besonders
auch die Notizen aus dem Jahr 1721 (I B 1).
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