sagen, er mußte zuerst die philosophische Fakultät durchlaufen. Den Titel Magister führte er
auch später, wenn er das medizinische Studium absolviert hatte. So wird Daniel Pestalozza
1482 als Magister artium et medicinae Scolaris bezeichnet, sieben Jahre später als Artium et
medicinae Doctor. Der Arztberuf war geradezu erblich, so war schon der Großvater dieses
Daniel, der öfters genannte Balthasar, Magister artium und Arzt, ebenso dessen Sohn
Guilhelmus.
Tafel 010 Riva di Chiavenna am Lago di Mezzola.
(Links der Umladeplatz und die ehemals pestalozzischen Lagerhäuser, von Johann Jakob Meyer, aus der
Graphischen Sammlung der Zentralbibliothek Zürich)
Andere Familienmitglieder, zum Teil aber auch die gleichen gelehrten Herren, haben sich
dem Handel und Verkehr gewidmet, wie wir bei ihrer Beteiligung und Monopolisierung des
Zollwesens gesehen haben.
Das politische Betätigungsfeld für die Chiavennaten war nicht sehr groß. Die Grafschaft
Chiavenna wurde von einem Grafen regiert - zu jener Zeit von der Familie Balbiani. In deren
Namen übte ein Commissarius die Regierungsgewalt aus. Dieser ernannte etwa einen
Statthalter. Das Amt des Statthalters oder Luogotenente wurde beispielsweise 1467 durch den
Notar Abundius Pestalozza verwaltet.
Die Stadt Chiavenna selbst erfreute sich einer gewissen Selbständigkeit. An ihrer Spitze stand
ein vom Rat gewählter Konsul. Als solche regierten 1493 der Notar Bernardo Pestalozza, 1501
Johannes Pestalozza die Gemeinde. Zahlreiche Pestalozzi saßen als Ratsherren im
zwölfköpfigen Consilium Communis.
Wenig zahlreich waren vor der Reformation die Geistlichen aus unserer Familie. Das
geistliche Oberhaupt von Chiavenna und der ganzen Umgebung ist der Erzpriester zu San
Lorenzo in Chiavenna. Franciscus Pestalozza war 1486 bis 1487 Erzpriester. Sein Nachfolger
war Giovanni Battista Pestalozza, der 1487 bis 1520 als geistlicher Oberhirte amtete. Unter
ihm wurde die interessante Wallfahrtskirche in Gallivaggio erbaut. Diese erhebt sich auf der