mit Carlo zusammen nach Frankreich reiste, kehrte später wieder nach Chiavenna zurück.
Sein Bruder Lucas war dort nicht nur Kaufmann, sondern auch Pächter des Zolles und
Pulverfabrikant. Auch Johann Petrus selbst übernahm (1574) mit seinem Bruder die
Zollpacht. Die Verbindungen dieser Firma (Stammtafel 4) mit Lyon dauerten aber weiter,
denn auch der Sohn des Lukas, Andreas Pestalozza, war längere Zeit in Lyon, wo sein Sohn
Bartolomeo am 24.Mai 1608 zur Welt kam und wo er seine Frau, Angelica Vertema, am
24.Oktober 1609 zu Saint-Laurent begrub
577
.
Ebenfalls dem 16.Jahrhundert gehört die Firma von Paolo Pestalozza und Caspar Miglio an,
die, in Lyon niedergelassen, Seidenwaren von Zürcher Kaufleuten nach Tours und anderen
französischen Plätzen spedierten und als Kommissionäre verkauften
578
.
Zu gleicher Zeit hatte sich noch eine vierte Firma Pestalozzi aus Chiavenna in Lyon
niedergelassen: «Johann Anton und Peter Martyr Pestalozzi». Sie entstammten der Linie der
Pestalozzi-Davosini (Stammtafel 12). Die Firma ist bereits 1590 in Lyon etabliert und hat bald
eine erhebliche Ausdehnung angenommen
579
. Ihre Geschäfte erstreckten sich über ein weites
Gebiet. Ihre Inhaber versuchten auch von Lyon aus, in Zürich ein Fabrikationsunternehmen
aufzuziehen. Von 1594 an ließen sie aus Italien Seide nach Zürich spedieren und hier von
ihren Faktoren Christoph Curti und Theodor de Priaux - der mit einer Zürcherin, Anna von
Muralt, verheiratet war - verarbeiten. Das Geschäft war aber den Lyoner Auftraggebern aus
den Händen geglitten. Nach einem langwierigen Prozeß wurde de Priaux («Brioss») vom
Zürcher Gericht am 18.Mai 1601 verurteilt, seinen Auftraggebern in Lyon die veruntreuten
2540 Gulden zu ersetzen. Er hat aber rechtzeitig das Weite gesucht
580
. Später wurde die Firma
in Lyon von einem Neffen der beiden Gründer, Johann Baptist Pestalozza, weitergeführt. Er
war der Sohn des Chiavenner Ratsherren Battista (? 1616) und der Francesca geb. Pellizari
aus Genf. Er hatte daher nahe Verwandte von mütterlicher Seite in dieser andern Stadt an der
Rhone. In Lyoner Geschäftskreisen erfreute er sich großen Ansehens; 1618 wird er als
«Corratier juré sur piace des changes» bezeichnet. Er wohnte an der Rue Saint-Paul in Lyon.
Die Firma der Pestalozzi in Zürich, «Johann Anthoni Pestaluz Erben», ernannte 1621 diesen
Johann Baptista Pestalozzi in Lyon genannt Davosinus zu ihrem Vertreter
581
.
Im Jahre 1601 kam noch eine fünfte Firma Pestalozzi nach Lyon. Es war Johann Jakob
Pestalozzi, Sohn des Hauptmanns Vicenzo und der Veneranda Stampa (Stammtafel 9), der
sich in Lyon niedergelassen hatte und sich damals von seinen Heimatbehörden ein
Abstammungsattest ausstellen ließ. Seine Nachkommen sind in Lyon geblieben, allerdings
nicht als Kaufleute und Industrielle, sondern als Ärzte.
Diese ständige Zuwanderung aus Chiavenna hörte auf, als die Religionskriege und die
Bündnerwirren ausgebrochen waren, als in der Folge die Handelswege Chiavennas
abgeschnitten wurden und die auswärtigen Familienzweige nicht mehr in die alte Heimat
zurückkehrten.
So blieb gegen Mitte des 17.Jahrhunderts nur noch die eine, die bedeutendste der Firmen
577
Jean Tricou, Recherches sur les Vertema à Lyon aux XVI
e
et XVII
e
siècles, im Schweiz. Familienforscher,
1947, S. 140.
578
Diethelm Fretz, Die Frühbeziehungen zwischen Zürich und Bergamo 1568-1618, Zürich 1940, S.23.
Staatsarchiv Zürich, Ratsurkunden B V, Bd.59, S.32, 33 (27.1.1590).
579
Ebenda.
580
Staatsarchiv Zürich, Abt. Fremde Personalien, Mappe 5 (1601, 18.5.1601, 20.6.1601).
581
Familienarchiv Zürich, I B 26 (Pachtvertrag 16.8.1618). Staatsarchiv Zürich, Ratsurkunden B V, Bd.84,
S.229b (10.12.1621).