Eine Ärztedynastie
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In Lyon blieb ein Zweig der Familie Pestalozzi zurück, der sich vom Seidenhandel
abgewandt und der Wissenschaft gewidmet hatte.
Der Enkel des Johannes Jacobus Pestalozzi, der sich einige Jahre vor 1601 in Lyon
niedergelassen und sich damals von den Drei Bünden ein Empfehlungsschreiben hatte
ausstellen lassen, war Arzt geworden. Er hieß wie sein Vater und Großvater Giovanni
Giacomo oder später Jean-Jacques. Ursprünglich hatte er sich in Venedig aufgehalten und dort
Feliciana Ballotti aus Rovigo geheiratet. Dann war er als Militärarzt in den Dienst der
französischen Armee getreten. Er hatte mit dieser die Expedition nach Messina mitgemacht,
als dort eine Revolte ausgebrochen war. Im Jahre 1682 setzte er sich in Lyon fest, wo sein
Großvater gewohnt und gewirkt hatte.
Von seinen zwei Söhnen ließ sich der jüngere, Pietro Pestalozza, in Rom nieder, während der
ältere, Jerôme-Jean Pestalozzi (a 1674, ? 1742), der im Alter von acht Jahren mit seinen Eltern
nach Lyon gekommen war, dort blieb
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. Dieser brachte es als Mediziner und Professor zu
einer gewissen Berühmtheit. Er hatte den Beruf seines Vaters ergriffen, an der medizinischen
Fakultät der Universität Valence studiert und im Alter von zwanzig Jahren 1694 doktoriert.
Dann praktizierte er in Lyon und versah dort während dreiundzwanzig Jahren, von 1696 bis
1719, das Amt eines Arztes am Hôtel-Dieu. Er war vor allem wissenschaftlich interessiert und
trieb naturgeschichtliche Studien. In jenem der Aufklärung vorangehenden Zeitalter gehörte
er zu den fortschrittlichen Ärzten, die ihr Wissen auf Naturbeobachtung aufbauten. Die
Neigung zur Naturgeschichte veranlaßte ihn, die Naturaliensammlung des Reisenden
Monconys zu erwerben, die er selber erheblich erweiterte. Sie umfaßte Mineralien, Kristalle,
wertvolle und merkwürdige Steine, Meerpflanzen, Tiere, Insekten, Muscheln und
Versteinerungen. Nach seinem Tode ließ er die Sammlung der Akademie in Lyon übergeben,
wo das «Cabinet de Curiosités naturelles de M. Pestalozzi» lange zu den Sehenswürdigkeiten
der Stadt gehörte. Er hat im Manuskript Arbeiten hinterlassen über «Les pierres précieuses»
1742, den Marmor 1739, «Les cailloux cristallisés à lintérieur» 1738, einen Vortrag über die
Lithologie 1720, über das Studium der Botanik 1738. Im Jahre 1715 war er in die kurz vorher
(1700) gegründete Académie des Sciences, Beiles Lettres et Arts von Lyon aufgenommen
worden. Die Mitglieder des Collège de Médecine der Akademie hielten Vorlesungen im
Gebäude der öffentlichen Bibliothek und führten den Titel eines Professors. Die Vorlesungen
umfaßten alle Gebiete der Medizin neben anderen Wissenschaften. Die Aufnahme in das
medizinische Kollegium, das älter war als die Akademie und zu den ehrwürdigsten des
Königreiches zählte, war übrigens nicht einfach. Der Anwärter mußte neben dem Doktorgrad
sich über mindestens vierjährige Praxis ausweisen, zwei öffentliche Examen ablegen und aus
dem Stegreif eine lateinische Rede über ein ihm vorgelegtes Thema halten. Jéròme Jean
Pestalozzi hat eine Reihe von wissenschaftlichen Arbeiten verfaßt und im Druck erscheinen
lassen. Neben einigen Themen, die wir heute nicht mehr der Naturwissenschaft zuschreiben,
wie «über Jonas im Bauche des Walfisches» stehen andere, die damals großes Interesse
beanspruchten. Die meisten haben die Pestkrankheit, die damalige Geißel der Menschheit,
zum Objekt. 1712 erschien von ihm «Avis de précaution contre la maladie contagieuse de
Marseille». Die Arbeit verfaßte er auf Veranlassung des medizinischen Kollegiums zu Lyon,
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Stammtafel 35
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Abschrift einer Eingabe für Gerolamo Giovanni und Pietro Pestalozza an den Rat von Chiavenna,
31.8.1729.