Navigation bar
  Home Print document Start Previous page
 36 of 407 
Next page End 31 32 33 34 35 36 37 38 39 40 41  

Zanetus («Gianetto»)‚ der ebenfalls im Hof an der Brücke wohnte, war Ratsherr und (1501)
Konsul von Chiavenna. Vom ältesten Sohn, dem Notar Paulus (geb. etwa 1430, gest. zwischen
1485 und 1492; Stammtafel 3), sind Protokollbücher aus den Jahren 1455 und 1482/83 im
Archiv in Sondrio erhalten. Der Notar hatte sechs Söhne: Fioramante, Cesare, Ippolito,
Battista, Giulio und Andrea, die er alle in ihren jüngern Jahren als Pronotare in seiner Kanzlei
beschäftigte. Cesare wurde Jurist. Ippolito brachte es später (1544) bis zum Konsul. Außer
dem Ältesten hatten alle zahlreiche Nachkommen. Der jüngste Sohn, Andrea, war verheiratet
mit Lucrezia Oldrada, deren Vorfahren schon im 12.Jahrhundert in Chiavenna das Amt eines
Notars ausgeübt hatten. Er war Kaufmann, denn zu ihm kam um 1550 der junge Zürcher
Bernhard von Cham in die Lehre, um sich im Handel auszubilden. Im Tausch mit diesem
sandte Andrea Pestalozza den jüngsten seiner drei Söhne, Johann Anton, nach Zürich. Dieser
ist unser Ahnherr.
Wenn wir den Archiven die Namen unserer Vorfahren haben entnehmen können, so sind die
Urkunden doch zu dürftig, als daß sie uns ein lebendiges Bild der einzelnen Persönlichkeiten
vermitteln würden. Doch können wir im Fall des Kaufherrn Andrea Pestalozza aus dem Bild
seines Gegenspielers Rückschlüsse auf Lebensstand und Milieu ziehen. Junker Bernhard von
Cham, ein erfolgreicher Großkaufmann, war eine imposante Erscheinung. Der reichste
Zürcher seiner Zeit zeigt uns auf seinem Bild ein scharfes Profil, eine weltmännische Haltung,
die ganz seinem Erfolg als Staatsmann entspricht. Als Vorsitzender in über 45 Tagsatzungen
hat er die Politik der schweizerischen Eidgenossenschaft maßgebend geleitet. Und wenn wir
erfahren, daß dieser weitgewandte Diplomat und königliche Kaufmann am Kaiserhof
Maximilians II. in hohem Ansehen stand, dann können wir darauf schließen, daß er seinen
Sohn nur einem angesehenen Handelshaus und einem Geschäftsfreund von Kultur und
Bildung anvertraut hat.
Um das Jahr 1500 war das Geschlecht der Pestalozzi in Chiavenna schon sehr zahlreich
geworden. Um die einzelnen Familien zu unterscheiden, wurden ihnen Zunamen gegeben,
ein Vorgang, der sich 250 Jahre später in Zürich wiederholt hat. Die einen wurden die
«Ricconi» (die Reichen) genannt, die andern die «Porrettini»‚ was entweder «die Armen»
(zusammengezogen aus «Poverettini») heißen kann oder auf ihren Grundbesitz in Porrettina
(7 km südlich Chiavenna) hinweist. Jedenfalls nannte sich dieser Zweig nach seiner
Auswanderung nach Frankreich «Seigneur de Porretin». Andere Linien wurden nach der
Stamm-Mutter genannt. Francesco Pestalozza, Sohn des Arztes und Ratsherrn Magister
Guilhelmus, hatte um 1500 Luna von Salis aus Soglio geheiratet. Seine Nachkommenschaft
führte daher den Namen Pestalozza de Luna, ursprünglich «de Donna Luna». Ein anderer
Francesco, der Vetter des vorher genannten, wurde «Davosinus» genannt, möglicherweise
hatte seine Frau den auch sonst in Chiavenna vorkommenden Namen Davosina, denn seine
Kinder erhielten den Zunamen «de Donna Davosina».
Die Familie breitete sich so stark aus, daß bald die Mauern Chiavennas für sie zu eng
wurden. Im Lauf des 16.Jahrhunderts finden wir schon Zweige in Como, in Verona, Vicenza
und Genua und, abgesehen von Zürich, auch in Lyon. Doch damit haben wir schon das
Mittelalter verlassen. Noch aber sind zwei Ereignisse zu betrachten, die für die Geschichte
unseres Geschlechtes von entscheidender Bedeutung wurden.
Eidgenossen und Bündner
Das Jahr 1512 war das Jahr der größten Machtentfaltung der Eidgenossenschaft. Damals war
Previous page Top Next page