Eine andere Variante betrifft das unterste Feld des Schildes. Dieses erschent in zwei
Holzschnitzereien schräglinks gestreift. Der Schnitzer hat sich zu dieser Abweichung
möglicherweise durch einige ähnliche Wappen in der Gegend von Chiavenna verleiten
lassen. Das eine Mal wurde das Wappen in dieser Form um 1675 auf das kastenförmige
Ehebett des Paares Gadina-Pestalozza geschnitzt
633
, das andere Mal ziert es den Rahmen des
Renaissancespiegels im Pestalozzi-zimmer (Landesmuseum, Raum 26). Auf diesem Spiegel
ist in origineller Weise das Allianzwappen Pestalozzi-Pestalozzi in einem Schild
zusammengefügt, indem die beiden Löwen von zwei Seiten her den gleichen Schlüssel
halten.
Tafel 147 - Pestalozza Wappen mit Schräglinksstreifen oder mit Adler im Schildhaupt
Eine andere Variation besteht in der Änderung der Tinkturen. Die Familie der Ärzte in Lyon
(Stammtafel 35) hat nach dem Armorial von G. Vayert den Schild in roter Farbe geführt,
worauf die Querbalken, der Löwe und die Schlüssel in Gold erscheinen.
Schließlich hat Josephus Pestalozzi in Genua die Farbe der goldenen Querbalken geändert,
indem er sie durch rote Querfäden ersetzte. Dazu belegte er das oberste blaue Feld mit dem
unvermeidlichen schwarzen Adler, der in so vielen italienischen Wappen erscheint. Durch
diese Änderung entstand (ums Jahr 1592) ein heraldisch wenig schönes Wappen, das die
Regel, daß Farbe auf Metall, nicht aber Farbe auf Farbe erscheinen soll, mißachtete
634
.
Ähnlich sieht das Wappen aus, das früher die Linie der Pestalozza von Vacciago führte. Im
dreigeteilten Schild ist das oberste goldene Feld mit dem schwarzen Adler belegt. Im
mittleren blauen Feld ist der Löwe springend dargestellt und hält in jeder Vorderpranke
einen Schlüssel, während die zwei roten Querbalken das unterste blaue Feld belegen
(Schlußstein am Torbogen der Casa Pestalozza in Vacciago dOrta vom Ende des
17.Jahrhunderts). Auf einem das gleiche Wappen darstellenden Tafelgemälde vom Anfang
des 18.Jahrhunderts hält der steigende Löwe einen Schlüssel mit den Vorder- und einen mit
den Hinterpranken vor sich. Vor etwa hundert Jahren ist auch diese, heute in Italien
blühende Linie zum unveränderten Stammwappen zurückgekehrt
635
. Dieses wurde dem
Podestà von Mailand, Carlo Antonio Pestalozza (1784 bis 1865) mit der
Ritterstandsverleihung am 2.Mai 1855 von Kaiser Franz Josef bestätigt. Die einzige Variante
in diesem Diplom besteht in der Heimzier. Es wurde ein zweiter Helm beigefügt, der ein Paar
633
Das Bürgerhaus der Schweiz, Bd. XII, Taf. 106.
634
August Roth, Schweizer Wappen aus dem Gutenzeller Wappenbuch, in Schweiz. Archiv für Heraldik,
1950, S. 114.
635
Siegel des Don Luigi Pestalozza auf seinem Testament vom 18.3.1846.