Schon im Jahre 1583 wurde ein solches zusammengesetztes Pestalozzi-Wappen geschaffen.
Kaiser Rudolf II. verlieh, mit Datum Preßburg, den 22.April 1583, eine Adelsbestätigung an
Dr. med. et philos. Nicolaus Pestalozzi von Chiavenna für ihn, seinen Sohn Julius und seinen
Bruder Donatus (Stammtafel 9), deren Linie ausgestorben ist. Die Wappenmehrung besteht
darin, daß das Wappen gespalten ist: Im rechten goldenen Feld ein schwarzer Adler, belegt
mit einem «R» als Anfangsbuchstaben des Namens «Rudolf»; im linken Feld das
Stammwappen.
Als Helmzier über der Krone erscheint der Löwe zwischen zwei Adlerflügeln
638
.
Das am meisten gebrauchte zusammengesetzte Wappen, das von der Familie Pestalozzi in
Chur und heute noch von den Reichsgrafen von Pestalozza geführt wird, ist im Adelsbrief
des Kaisers Mathias für Paulus Pestalozza de Luna (? 1621), den Stammvater der Pestaluzzi
in Wien (Stammtafel 31), am 16.Juli 1615 geschaffen worden
639
. Die rechte Hälfte des
gespaltenen Schildes zeigt im goldenen Feld zwei schwarze Adlerflügel (möglicherweise in
Anlehnung an den Wappenbrief von 1583, aber ohne den Hinweis auf die Persönlichkeit des
verleihenden Kaisers), während die linke Schildhälfte das Stammwappen zeigt. Dabei wird
naturgemäß wegen der Verschiebung der Proportionen des Feldes der schreitende zu einem
aufrechten Löwen. Die Heimzier zeigt abermals den Löwen des Stammwappens mit dem
Schlüssel zwischen zwei Adlerflügeln, rechts schwarz mit zwei goldenen Querbalken, links
blau mit zwei goldenen Querbalken und belegt mit einem silbernen Schlüssel.
Dieses Wappen ist nicht nur vom Beliehenen und seinen direkten Nachkommen, den Wiener
Pestaluzzi, geführt, sondern auch von anderen Gliedern der Linie Pestalozza de Luna
übernommen worden. Für die Wiener Pestaluzzi ist es im weiteren bezeugt im Stammbaum
der Gesamtfamilie (1659) für Eva Felicitas Pestalozzi von Wien.
Der Stammvater der Pestalozzi in Chur, Hauptmann Johann Anton Pestalozza (1599-1659),
hat dieses Wappen übernommen und häufig geführt; so in seinem kleinen Siegel
640
, so in dem
großen Stukkaturwappen im Gartensaal des «Unteren Spaniöl» in Chur (1654) und so auf
seinem Grabstein im alten Friedhof in Chur
641
. Das Wappen findet sich ferner auf den
Grabtafeln der beiden Frauen von Rosenroll-Pestalozzi, wovon eine im Friedhof Thusis
erhalten ist. Im Rathaus zu Chur sind auf dem Ofen im Sitzungszimmer vom Anfang des
18.Jahrhunderts die Wappen in gleicher Darstellung gemalt für Bundespräsident und
Podestat Hercules a Pestalozza mit dem Wahrspruch «Pro Deo et Patria» und für
Zunfthauptmann und Zunftmeister Hercules von Pestalozza mit dem Spruch «Dominus
conserva nos in pace». Während einige Glieder der Churer Familie ein quadriertes Wappen
führten, hat noch der letzte Sproß, Bundespräsident und Oberrichter Stefan von Pestalozzi
(1785-1867), um 1860 mit diesem gespaltenen Wappen gesiegelt
642
.
Das gleiche gespaltene Wappen haben auch die Pestalozza zu Luzein und Tagmersheim
übernommen. Die Söhne des Julius Pestalozza, die ihrem Vater noch 1679 das einfache
Wappen auf den Grabstein gaben, haben als Herren von Tagmersheim das gespaltene
Wappen geführt, das dem Vetter ihres Großvaters 1615 verliehen worden war. Franziskus,
der erste Herr zu Tagmersheim, hat schon 1674 in einer Eingabe an den Herzog mit dem
638
Notizen von Dr. E. Pestalozzi-Pfyffer aus dem Adelsarchiv, Wien.
639
Original mit dem großen kaiserlichen Siegel, im Familienarchiv Zürich.
640
Staatsarchiv Zürich, Akten A 248.14, Graubünden, XIV (Brief vom 10./20.8.1639).
641
Abbildung im Herald. Archiv, 1928, S. 59.
642
Rhät. Museum, Chur, Siegelsammlung Caviezel, Nr. 1003.