sie eine Großmacht in Europa. Die Lombardei war das Schicksaisland. Auf ihrem Boden
wurden die entscheidenden Schlachten geschlagen.
Seit 1500 war das Herzogtum Mailand unter die Macht des französischen Königs geraten.
Auch im Veltlin, in den Tre Pievi und in Chiavenna herrschten die Franzosen. Graf Gian
Giacomo Trivulzio (1441 bis 1518) von französischer Gnade Herr über die Grafschaft Cleven,
hatte die alte Grafenfamilie der Balbiani verdrängt. Da stiegen im Jahre 1512 die Eidgenossen
über den Gotthard. Sie besetzten Lugano, Locarno und das Mendrisiotto. In der Schlacht von
Pavia besiegten sie die Franzosen und zwangen das französische Heer, Italien zu verlassen.
Die Bündner nahmen am Pavierzug der Eidgenossen teil. Während die Eidgenossen nach
Mailand zogen, besetzten bündnerische Truppen unter Hercules Capaul und Conrad Planta
das Veltlin, Bormio und die Tre Pievi Sorico, Domaso und Gravedona und riegelten dadurch
die Grafschaft Chiavenna ab. In Chiavenna hielt sich jedoch noch die französische Besatzung.
In diesem Zeitpunkt griffen die Pestalozzi als führende Familie von Chiavenna ein und
leisteten damit einen wichtigen Beitrag zur geschichtlichen Entwicklung. Durch
verwandtschaftliche Bande, aber auch durch ihr wirtschaftliches Interesse, den Handel durch
Bünden mit der Schweiz offen zu halten, waren sie mit den Bergellern und Bündnern
verbunden. Im geheimen Einverständnis mit den Bündnern ließen sie diesen die Tore
Chiavennas öffnen. Es war der 6.Juli 1512, als so die Bündner die Stadt Chiavenna besetzen
konnten
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Allerdings konnten die Franzosen unter ihrem tapferen Hauptmann Jaques Fayet noch einige
Monate das Kastell halten. Sie vermochten damit nicht nur den Verkehr noch zeitweise zu
sperren, sondern auch die Bürgerschaft in der Stadt zu belästigen. So schossen sie aus der
Burg den Bürgern von Chiavenna durch die Fenster in die Betten. Schließlich, im Januar 1513,
ging der Besatzung die Munition aus, und sie mußte auch das Kastell übergeben. Chiavenna
blieb von da an für beinahe drei Jahrhunderte bündnerisch
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Dieses wichtige Ereignis ist festgehalten in der Chronik des Ritters Johannes Guler von
Wineck, der später bündnerischer Kommissar in Chiavenna war. «Lanno 1512 queste terre
per hopera de Signori Pestalozzi si rese alle Eccelse Tre Leghe, e da li a poco li francesi gli
resero ancora il castello.»
Umsonst forderte der von den Eidgenossen wieder eingesetzte Herzog von Mailand das
Gebiet zurück. Im ewigen Frieden von 1516 anerkannte auch Frankreich, das das Herzogtum
wieder an sich genommen hatte, die Hoheit der Bündner, die dafür noch eine Entschädigung
zu leisten hatten.
So waren die Pestalozzi durch eigene aktive Mitwirkung Bündner geworden.
Die eroberten Gebiete wurden als Untertanenländer behandelt, konnten aber ihre eigenen
Verwaltungseinrichtungen behalten. Statt vom Grafen wurde der Kommissar hinfort von den
Bündnern eingesetzt.
Die Pestalozzi haben sich, mindestens am Anfang, sicher nicht als Untertanen gefühlt. Sie
waren verschwägert mit der einflußreichen Familie von Salis. Schon der erste bündnerische
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Zentralbibliothek Zürich, Manuskript A 12, Chronik von Joh. Guler, S. 328. - Giovanni Battista Crollalanza,
Storia del Contado di Chiavenna, Milano 1870, S. 160.
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Conradin von Moor, Geschichte von Currätien, Chur 1871, Bd. II, Abt. I, S. 46.