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Kommissar in Chiavenna, Ritter Andreas von Salis, hatte eine Pestalozzi, Violanda, zur Frau
(Stammtafel 6).
Die besondere Stellung Chiavennas und der Pestalozzi gegenüber den Drei Bünden zeigte
sich bald nach der Eroberung im sogenannten Müsserkrieg. Der Kastellan von Musso, Gian
Giacomo Medici, genannt Medeghino, hatte den Bündnern das neu gewonnene Territorium
streitig gemacht, und sie mußten darum Krieg führen. Sie waren erfolgreich, aber schließlich
behielt der Medeghino die abgesandten Unterhändler der Bündner in Gefangenschaft und
verlangte ein namhaftes Lösegeld. Die Bündner entsandten vier Bevollmächtigte, welche das
Lösegeld aus den Untertanenländern aufbringen sollten. Während sie dem Veltlin zu diesem
Zwecke eine Steuer von 3000 scudi d‘oro auferlegten, war es in Chiavenna Ippolito
Pestalozza (der Onkel unseres Zürcher Stammvaters), der ihnen am 20.Februar 1525 700 lire
imperiali als Anleihe überließ, so daß von der Grafschaft Chiavenna keine Abgabe erhoben
werden mußte. Diese anfänglich recht bevorzugte Behandlung Chiavennas als neues
Untertanengebiet zeigt, daß damals die Pestalozzi mit den neuen Herren von gleich zu gleich
verkehrten und ihre finanziellen Mittel zugunsten ihrer Stadt bei den Bündnern einsetzen
oder anlegen konnten
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.
Später erhielten auch einzelne Glieder der Familie von der Tagsatzung der Drei Bünde
individuell die Rechte eines «Pundtsmannes» und wurden damit auch formell über den
Stand der Untertanen hinausgehoben.
Vom Jahre 1512 datiert somit die Zugehörigkeit des Geschlechtes zu Bünden und damit zu
den Eidgenossen.
Reformation
Das Mittelalter im weiteren Sinn wird abgeschlossen durch die geistigen Bewegungen der
Renaissance und der Reformation. Daß die Familie diesen Bewegungen aufgeschlossen war,
liegt schon in ihrer höheren Bildung begründet.
In Oberitalien fanden Schriften Luthers und Zwinglis durch deutsche und schweizerische
Kaufleute Eingang und Verbreitung. In gelehrten Kreisen, aber auch im einfachen Volke
machte die Reformation große Fortschritte. Die Päpste griffen zu den schärfsten
Gegenmaßnahmen. Durch die Enzyklika von 1542 erhielt die Inquisition neue Befugnisse.
Viele italienische Glaubensflüchtlinge wandten sich den bündnerischen Talschaften zu. Eine
Zeitlang war Chiavenna der Hauptsammelplatz dieser Verfolgten. Einer der ersten
Religionsflüchtlinge war der gelehrte Humanist Franciscus Niger aus Bassano. Neben seinen
humanistischen Studien versah er zu Anfang der dreißiger Jahre in Chiavenna das Amt eines
Predigers der reformierten Gemeinde, die er um sich gesammelt hatte
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. Es war Paolo
Pestalozza (Stammtafel 3), der Schwiegersohn des Kommissars Andreas von Salis, welcher
zusammen mit seinem Schwager Hercules von Salis und einigen andern Glaubensgenossen
im Jahre 1539 die erste evangelische Kirche in Chiavenna gründete. Der Kommissar Andreas
von Salis (gest. 1545) war vermählt mit Violanda Pestalozza; die Gattin des Ritters Hercules
von Salis (1503 bis 1578), der in Frankreich unter Heinrich II. Oberst wurde, war Maria
Pestalozza.
Der erste öffentlich anerkannte Pfarrer dieser evangelischen Kirche war der ehemalige
                                                
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G.B.Crollalanza, a.a.O., S. 182.
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Friedrich Pieth, Bündner Geschichte, Chur 1945, S. 144.
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