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I - DIE GRÜNDUNG EINER NEUEN HEIMAT
Bürger zu Zürich
Der Handelsverkehr, der, von Italien kommend, die Bündner Pässe auf mühsamen
Saumpfaden überschritten hatte, lief auf verschiedenen Straßen nach den Handelsplätzen
Süddeutschlands und der Schweiz. Eines der wichtigsten Zentren, denen der Verkehr
zustrebte, war die alte Reichsstadt Zürich. Durch sie führten die Handelsstraßen von Bünden
her, dorthin strebte der Verkehr, der mit Vorteil die Wasserwege aufsuchte.
Tafel 012 - Wappen von Zürich
Zürich war der Anziehungspunkt für den italienischen Kaufmann, der sich für die
ennetbirgischen Beziehungen und - was für die Chiavenner Handelshäuser gegeben war - für
den transalpinen Verkehr interessierte.
In Zürich blühte der Handel in Textilien und Eisen. Die Stadt war das wirtschaftliche
Zentrum ihrer Landschaft, die ungefähr das heutige Kantonsgebiet umfaßte. Sie beherrschte
das Land mit einem ausgewogenen System wirtschaftlicher Privilegien, die der Stadt ihre
Bedeutung, dem Stadtbürger den ökonomischen Rückhalt sicherten. Die Stadt war seit mehr
als dreihundert Jahren freie Reichsstadt, seit einem Jahrhundert dauernd mit der
Eidgenossenschaft verbunden - wir sprechen von der Mitte des 16.Jahrhunderts - und hatte
im Kriege von 1499 die faktische Unabhängigkeit vom Reich erlangt. Diese selbständige
Stadtrepublik aus freien Handwerkern und Kaufleuten war der Vorort der
Eidgenossenschaft.
Ihre politische Entwicklung war zu einem Abschluß gekommen. In den Mailänderkriegen
von 1515 war die kriegerische Expansion der Eidgenossen abgebrochen, der Traum einer
europäischen Großmacht begraben worden. Dazu war für die Stadt Zürich der Rückschlag
des unglücklichen Kappeler Krieges gekommen. Die Politik Zürichs mußte es von da an sein,
das Erreichte politisch und wirtschaftlich zu bewahren.
Die politische Machtstellung der Stadt hatte nicht mehr europäisches Maß, dafür war aber
Zürich zu einem geistigen Zentrum geworden durch die Reformation Ulrich Zwinglis. Sein
Nachfolger als Haupt der Zürcher Kirche war seit 1531 Heinrich Bullinger (1504-1575), der
väterliche Beschützer der Reformierten im In- und Ausland, der kluge Förderer und Festiger
des neuen Glaubens. Von ihm strahlte entscheidender Einfluß aus auf den Reformator
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