Das Handelshaus in der Brunngasse
Johann Anton Pestalozzi gründete ein Handelsgeschäft, in dem vor allem Textilwaren
umgesetzt wurden. Dabei pflegte er natürlich seine Beziehungen zur Lombardei.
Zum erstenmal erfahren wir etwas über sein Geschäft aus dem Verzeichnis der Locarner, die
mit dem Herzogtum Mailand Handel trieben, aus dem Jahre 1578. Darin ist Lorenz Pebia
aufgeführt als «Gemeinder» (Associé) von Johann Anton Pestalozzi.
Tafel 013 - Pestalozzi, Gessner, Verzasca und von Muralt Wappen
Als seine Artikel sind «Düechli, Zwilchen und Winterthurer-Schnüer» verzeichnet. Lorenzo
Pebia hatte 1571 mit dem großzügigen Unternehmer Evangelista Zanino zusammen auf der
Messe von Bergamo im Auftrag des Kurfürsten August von Sachsen Geschäfte durchgeführt.
Im Jahre 1577 war er in eine vorübergehende Handelsgemeinschaft mit Pestalozzi getreten.
Da Pebia nicht Bürger war -
erst seine Söhne erlangten das Bürgerrecht -‚ bot ihm die
Verbindung mit unserem Stammvater den Vorteil des behördlichen Schutzes
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Bald spezialisierte sich Johann Anton Pestalozzi auf den Seidenhandel. Er beschränkte sich
dabei auf das Handelsgeschäft. Die industrielle Verarbeitung hatte durch die Locarner
Flüchtlinge einen neuen Aufschwung genommen. Da ihnen die Ausschließlichkeit gewisser
zürcherischer Gewerbekreise andere Betätigungen verunmöglicht hatte, wandten sie sich der
Seidenverarbeitung, dem Samtweben und Seidenfärben zu. Auch die Florettfabrikation hatte
in Zürich Eingang gefunden unter tätiger Mitwirkung der Gebrüder Werdmüller im
Seidenhof. Hier war ein Betätigungsfeld für einen tüchtigen Kaufmann, der über die nötigen
Beziehungen zu dem oberitalienischen Seidenzentrum Bergamo und nach Lyon verfügte.
Die Art seines Handels erfahren wir aus einem Ursprungszeugnis des Zürcher Rats vom
23.April 1579. Es ist ausgestellt für eine Kiste mit 19 Stück schwarzem und 1 Stück rotem
Sammet. Der Sammet wurde in Zürich fabriziert «von unsern lieben Inwohnern» Gian
Giacomo Rosalino, Gasparre Albertino, Francesco Riva und Ambrosio Porzi, «als meister
Sammatweberen». Pestalozzi spedierte die Ware mit dem Geleitbrief des Zürcher Rats nach
Lyon. Von dort fuhr die Ware weiter wie wir aus späteren Zeugnissen wissen bis nach
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Zürcher Taschenbuch 1945, S. 47, Werner Schnyder, Aus der Geschichte des Zürcher Seidenhandels.