Florettseide.
Über die Handelsbeziehungen dieses aufstrebenden Hauses wissen wir aus der ersten Zeit
nur wenig und nur dann, wenn bei der Einkassierung von Guthaben Schwierigkeiten
entstanden. Bei Zahlungsverzug machte man kurzen Prozeß. So ließ Pestalozzi seinen
Schuldner, den Locarner Giovanni Rosalin, in Schuldverhaft setzen. Guthaben in Chiavenna
ließ er durch seinen Sohn Franziskus Pestalozzi einziehen, den er zu diesem Zweck zweimal,
1589 und 1594, in seine alte Heimat schickte. Die wichtigsten Ansprüche besaß aber die Firma
in Lyon, dem Seidenhandelsplatz, wo Pestalozzi gelegentlich den Bündner Gaspar Miglio als
Bevollmächtigten ernannte (1599)
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In jenen Jahrzehnten hat sich die Zürcher Seidenindustrie zu großer Blüte entwickelt. Durch
die Locarner war die Samtweberei vor dem Untergang bewahrt und die industrielle
Seidenverarbeitung entwickelt worden. Unter ihrem Einfluß haben die eingesessenen
Kaufherren neue Betriebssysteme entwickelt. Verleger und Kaufleute der Stadt beschäftigten
die Bevölkerung der Landschaft als Heimarbeiter. So entstand eine zürcherische
Exportindustrie, welche die Märkte und Messen in Zurzach, Frankfurt, Bergamo und Lyon
belieferte. Dank der Zollprivilegien der Schweizer in Frankreich konnte die Zürcher
Seidenindustrie die italienische Ware auf dem Markte von Lyon erfolgreich
konkurrenzieren
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Der Staat Zürich erhob seinen Anteil am Ertrag an diesem Handel. Am 13.August 1595
wurde eine Fabrikzollordnung erlassen, eine Steuer, die auf die in Zürich fabrizierte und ins
Ausland exportierte Ware erhoben wurde. So finden wir in den Zürcher
Seckelamtsrechnungen interessante statistische Angaben über diesen Handelszweig.
Merkwürdigerweise erscheint zuerst nicht Johann Anton Pestalozzi, sondern sein Sohn
Franziskus (1573-1617) als selbständiger Exporteur von Seidenwaren in den Fiskaijahren
1599/1600 und 1600/01. Erst vom folgenden Jahr an, 1601/02, ist Johann Anton Pestalozzi
mit seinem Gesellschafter Cornelio Toma verzeichnet als Exporteur von Seidenflorett und
gesponnener Seide. Sein Umsatz bewegte sich anfänglich in kleinem Rahmen, einmal sind es
fünf Ballen gesponnene Seide, das nächste Jahr bringt er gar nur einen Ballen Florett zur
Verzollung
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Die Entwicklung einer Industrie war für einen Kaufmann nicht ohne Risiko, das hatten seine
Vettern, die Brüder Johann Anton und Petrus Martyr Pestalozzi in Lyon, erfahren, als sie
versucht hatten, sich in den Jahren 1594 bis 1601 in größerem Umfang in die Zürcher
Fabrikation einzuschalten. Sie hatten aus Italien, vor allem von Vicenza aus, Seide nach
Zürich geschickt. Es war zumeist Ware mittlerer Qualität, aber auch Abgang von Kokons
beim Abhaspeln und Abgang vom Seidenwinden. Die Verarbeitung des Rohmaterials in
Zürich besorgten ihre Faktoren Christoph Curti und Theodor de Priaux. Dieser war ein aus
Dijon eingewanderter Franzose, der seit 1594 mit Anna von Muralt, einer Enkelin Johannes
von Muralts aus Locarno, verheiratet und in Zürich niedergelassen war. Verschiedene
unreelle Machenschaften dieses Priaux (in den Akten «Brioss» genannt) führten zu einem
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J. Maliniak, Die Entstehung der Exportindustrie und des Unternehmerstandes in Zürich im 16. und
17.Jahrhundert, Zürich 1913, S. 62. - Staatsarchiv Zürich, Ratsurkunden B V, Bd.36, S. 296 (29.3.1598). -
Ratsmanual 261, S. 22 (29.3.1598). - Staatsarchiv Zürich, Missiven B IV, 51, S. 22 (20.11.1594).
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Leo Weisz, a.a.O.
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Maliniak, a.a.O.,S. 116.