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So taten die sechs Zürcher Handelsfirmen alles, um einen regelmäßigen Warenverkehr mit
Bergamo zu organisieren. Zu diesem Zweck mußten die Kauf Herren oft für längere Zeit in
Bergamo Wohnsitz nehmen. Immer wieder begegnen wir in den folgenden Jahrzehnten den
Chefs oder auch den jüngern Teilhabern des Hauses Pestalozzi in Bergamo. Ihnen war es
dann besonders wichtig, daß sie dort nicht mit Steuern belegt werden durften
68
. Zur
Aufrechterhaltung dieser Handelsniederlassung gehörte natürlich ein regelmäßiger
Botendienst zur Beförderung der Briefschaften. In diesem Botendienst nach Bergamo, der
durch die Firmen Pestalozzi zusammen mit den Werdmüller, Holzhalb, Gosswyler und Orell
eingerichtet wurde, können wir den Vorläufer einer organisierten Post erblicken.
Bald dehnten die Pestalozzi ihren Handelsverkehr weiter aus, über Bergamo hinaus bis nach
Verona, wo sich ein Zweig der Familie Pestalozzi aus Chiavenna niedergelassen hatte. Schon
1614 ernannte die Zürcher Firma die Herren Giovanni Pietro und Giovanni Battista
Pestalozza in Verona zu ihren Vertretern, um ihre Guthaben in jenem Teil Venetiens
einzuziehen. Ihr Schuldner war Titus Livius Buratini
69
. Die Beziehungen zu den Pestalozzi in
Verona dauerten bis zum Jahre 1635, als die Firma Giovanni Pietro und Ottavio Pestalozza
zusammenbrach. Das brachte der Zürcher Firma nicht geringe Aufregungen. Vor allem
hatten sie noch größere Guthaben an die Firma in Verona, da sie ihr für den Seideneinkauf
erhebliche Summen anvertraut hatten. Sie ließ dafür alle in Zürich liegenden Waren dieser
Firma pfänden, ebenso ließen sie in Ulm und Frankfurt Arrest auf die Waren und Guthaben
der Veroneser Firma legen. Bald aber meldeten sich noch andere Gläubiger dieser Firma.
Allen voran machte der Schwiegersohn des Ottavio Pestalozza, Doktor Gaudenzio Mora in
Chiavenna, Gegenforderungen geltend. Hierüber mußte jahrelang prozessiert werden. Als
Gaudenzio Mora nicht durchdringen konnte, ließ er als gewiegter Jurist seinerseits in
Chiavenna die Waren der Zürcher Firma verarrestieren. Es brauchte Vorsprachen beim
Kommissar in Chiavenna und bei der Regierung der Drei Bünde, ja Johann Anton Pestalozzi
der Sohn mußte selbst mitten im Winter nach Chiavenna reisen, um den Zürchern nach sechs
Jahren endlich zum Recht zu verhelfen. Sie ließen sich aber nicht abschrecken, ihre Waren
auch weiterhin im Veronesischen einzukaufen. Ihr späterer Vertreter war Biasio Boschetti;
der Spediteur auf der Strecke Verona-Bergamo Mattia Bianchini und Gebrüder. So kamen auf
der Straße von San Marco von Bergamo her ins Veltlin und weiter nach Chiavenna, ihrer
ehemaligen Heimat, und von dort über den Splügen und Septimer nach Chur bis Walenstadt
jährlich viele Saumlasten Waren für das Haus Pestalozzi in Zürich. Es war zumeist Seide.
Aber auch die Seife zur Verarbeitung der Seide bezogen sie kistenweise aus Italien. Und auf
dem gleichen Weg exportierte die Zürcher Firma andere Textilien, wie Zwilch, den sie auf
der Messe in Zurzach kaufte und nach Bergamo führte
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.
Trotz des Wirtschaftskrieges mit Mailand hatte die Firma auch ihre dortigen Beziehungen
nicht aufgegeben. Sie führte die Ware über Lugano in die Schweiz ein. Auf Begehren der
Orell, Pestalozzi und Pebia befaßte sich die eidgenössische Tagsatzung 1631 mit dem Zoll
von Lugano, der dort auf der Durchfuhr ihrer Seide erhoben wurde. Es wurde als notwendig
erkannt, die eidgenössischen Gesandten übers Gebirge, zur Rechnungsabnahme der
gemeineidgenössischen Vogteien im Tessin, mit einer besonderen Instruktion an den
                                                
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Staatsarchiv Zürich, Missiven B IV, 111, S. 203 (9.12.1650).
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Staatsarchiv Zürich, Ratsurkunden B V, Bd. 84, S. 226 (1.8.1614).
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Staatsarchiv Zürich, Missiven B IV, 107, S. 314 (7.3.1646); B IV, 106, Bl.304, vom 9.9.1605; A 26, 9, S. 35, vom
9.12.1650, und Missiven B IV, 111, S. 203 (9.12.1650).
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