kennen - zulernen. Am 24.Januar 1589 trat er vor dem Kommissar und Stadtrat von
Chiavenna auf, um ein Testament zu machen. Wie zu erwarten, traf er unter den Ratsherren
der ehemaligen Heimat mehrere Geschlechtsgenossen. Er wurde in jenem Akt bezeichnet:
«Franciscus filius Domini Joh. Antonii similiter (ebenfalls d.h. wie die vorgenannten
Ratsherren) de Pestalotiis civis Tigurinensis, filii quondam Domini Andreae, ac filius
quondam et haeres Dominae Susannae de Verzaschis»
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. In diesem Testament annullierte
Franziskus die Verfügung seiner Mutter, welche für den Fall seines frühzeitigen oder
kinderlosen Todes ihre Brüder Johann Anton und Bartholomäus Verzasca als seine
Nacherben bestimmt hatte. An Stelle seiner mütterlichen Onkel setzte er nunmehr seinen
Vater Johann Anton Pestalozzi zum Universalerben ein. In den folgenden Jahren finden wir
ihn wieder in Chiavenna. Er hat damit eine bald Tradition werdende Sitte eingeleitet, daß die
Söhne der Familie Pestalozzi in Zürich zu ihrer Ausbildung nach Oberitalien gesandt
wurden. Während nahezu zwei Jahrhunderten sind die meisten Söhne diesem Beispiel
gefolgt.
Schon mit einundzwanzig Jahren entsandte ihn sein Vater wieder nach Chiavenna mit dem
schwierigen Auftrag, von seinen dortigen Schuldnern die Guthaben einzuziehen, nachdem es
bisher trotz vielfältiger Bemühung nicht gelungen war, an Kapital oder Zinsen etwas
einzutreiben. Er erhielt hiefür vom Rat von Zürich ein Empfehlungsschreiben an den
bündnerischen Kommissar in Cleven, den dortigen obersten Richter
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. Nach seiner Rückkehr
trat er 1596 der väterlichen Zunft zur Saffran bei.
Am 25.April 1597 vermählte sich Franziskus Pestalozzi mit Margaretha Keller vom Steinbock.
Damit wurde er der Schwiegersohn des höchsten Magistraten von Zürich; denn seine Frau
war die Tochter des Junkers Johannes Keller (1537-1601), der seit 1594 Bürgermeister war, und
dessen erster Frau Margaretha Waser. Der Schwiegervater Franziskus Pestalozzis war ein
Staatsmann von eidgenössischem Format. Wenn es auch in jener für die Eidgenossenschaft
recht gefahrvollen Epoche der konfessionellen Spannungen an augenfälligen Ereignissen
fehlt, so lag die geschichtliche Bedeutung dieses politischen Führers der evangelischen Orte
gerade darin, daß er durch weise Zurückhaltung wie durch Zähigkeit in der Verhandlung
den Ausbruch großer Aktionen zu verhindern wußte. In der Familiengeschichte der Bodmer,
deren Stammvater ebenfalls eine Tochter Kellers geheiratet hatte, ist diesem Staatsmann ein
biographisches Denkmal gesetzt worden. Nach einer raschen Karriere als Politiker und hoher
Verwaltungsbeamter war Keller am 14.Dezember 1594 zum Bürgermeister gewählt worden.
Gemäß dem zürcherischen Zweimannsystem regierte er die Republik neben Conrad
Grossmann bis zu seinem Tode 1601. Sein hauptsächliches Gebiet war die Außenpolitik. Die
Schweiz hat viel, vielleicht sogar ihren Fortbestand, den einsichtigen reformierten
Staatsmännern zu verdanken, die den katholischen Führern, wie dem «Schweizerkönig»
Ludwig Pfyffer von Luzern, welche sich mit den vordringenden katholischen Mächten des
Auslandes verbunden hatten, nicht mit gleicher Einseitigkeit und Schroffheit entgegentraten.
Erfolg hatte Keller in der Genfer Frage, die zur endgültigen Befreiung der Rhonestadt von
der savoyischen Bedrohung führte. Erfolgreich war auch seine Behandlung der
Religionsstreitigkeiten in Mülhausen, wo nach einer Revolte die evangelischen Orte durch
bewaffnetes Einschreiten die rechtmäßige, der Eidgenossenschaft verbundene Regierung
wieder einsetzen konnten. Als Schiedsrichter war er beteiligt bei der Loslösung der Stadt Biel
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Familienarchiv Zürich, Zentralbibliothek, I, 4, Testament des Franziskus Pestalozzi (24.11.1589).
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Staatsarchiv Zürich, Missiven B IV, 51, S.22 (20.11.1594).