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ZUR EINFÜHRUNG
Wenn es einer Rechtfertigung bedarf, daß ein Familienangehöriger die Geschichte seines
eigenen Geschlechtes schreibt und dazu noch weit über den für solche Untersuchungen sonst
üblichen lokalen und zeitlichen Rahmen hinausgreift, so mag zunächst die Freude an der
Forschung des eigenen Herkommens angeführt werden, sodann das Bedürfnis, Entdecktes -
und sei es auch von sehr relativer Bedeutung - mitzuteilen. Das Zusammentragen vieler, an
sich belangloser Daten zum Bild der Entwicklung einer ganzen Familie verdient in seinem
Ergebnis noch nicht den Namen der Geschichte. Es bildet bestenfalls in Seiner Gesamtheit
einen kleinen Baustein zu dem, was wir die Geschichte nennen. Vielleicht aber vermag es,
einen Ausblick auf Bekanntes von einem neuen und darum reizvollen Blickpunkt aus zu
öffnen. Wie hat in der Folge von acht Jahrhunderten eine Familie die europäische Geschichte
erlebt und erlitten? Und zwar eine von den zahlreichen Familien, die nicht zu den wenigen
sonst von den Chronisten behandelten, sogenannten herrschenden Geschlechtern gehört. So
können wir den Ablauf einer längeren geschichtlichen Entwicklung verfolgen - Statt vom
Gesichtspunkt der üblichen Geschichtsschreibung aus, welcher derjenige der Staatenlenker
ist - aus der kleinen Perspektive, aus der auch wir selber die Ereignisse unserer Gegenwart
erleben.
In dieser Beziehung mögen zum Beispiel die vorliegenden Untersuchungen über die
konfessionellen Verhältnisse einer Bündner Untertanenstadt oder die Feststellungen über die
Zürcher Wirtschaftspolitik im 17.Jahrhundert und ihre Auswirkung auf ein kleines
Handelshaus oder auch über die Rechtsstellung ausgewanderter Untertanen im
Offizierskorps der Schweizerregimenter einen bescheidenen Beitrag zur Schweizer
Kulturgeschichte bieten.
Unsere Familiengeschichte Setzt früher ein als viele andere. Sie beginnt schon zur Zeit der
Bildung der Geschlechtsnamen im 13.Jahrhundert. Wir sind ein sogenanntes «altes
Geschlecht ». Seine Wiege liegt am Südhang der Alpen, in jenem kraftvollen Landstrich, wo
der Comersee der ja schon in der Literatur des römischen Altertums gepriesen worden ist -
die Alpentäler mit der lombardischen Ebene verbindet, dort wo die rauhe Bergluft mit dem
südlichen Himmel wechselt. Dann ist das Geschlecht in Chiavenna, der bis vor hundert
Jahren wichtigen Handelsstadt, groß geworden. Es hat sich vermehrt und ausgedehnt in den
Jahrhunderten der Renaissance und des aufblühenden italienischen Handels, bald in die
Weite hinaus, bald in die Berge hinein und darüber hinweg. In dieser Zeit hat es sich in
verschiedenen Ländern Mitteleuropas angesiedelt. Der zahlreichste und kräftigste Zweig ist
seit vierhundert Jahren in Zürich heimisch geworden. Die Bedeutung der Pestalozzi in Zürich
geht nur zum Teil auf den größten Sohn unseres Geschlechts, den Menschenfreund und
Pädagogen Heinrich Pestalozzi, zurück. Er ist eine Erscheinung eigener Art und gehört daher
mehr der Menschheit als einer Stadt oder einem Geschlechte an. Trotzdem ist es verlockend,
auch seinen Beziehungen zu seiner engeren und weiteren Familie nachzugehen. Die
Bedeutung der Familie Pestalozzi in Zürich ist vielmehr begründet worden durch eine Reihe
bemerkenswerter Persönlichkeiten im letzten Jahrhundert.
Der mittlere Teil dieser Arbeit, der die Familie in der Stadt Zürich behandelt, ist vorwiegend
für die Familie selbst, in der Art der üblichen Familiengeschichten geschrieben worden. Bei
der Behandlung der uns näherliegenden Zeit, d. h. etwa der letzten hundert Jahre, beschränkt
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