Als Johann Anton Pestaluz-Schwyzer 1677 starb, übernahm sein jüngster Sohn Rudolf das
Haus zum Brünneli, während der zweitälteste Sohn in die «Limmatburg» zog.
Neben seinen fünf Söhnen, denen wir uns später zuwenden werden, hinterließ Johann Anton
Pestaluz-Schwyzer vier Töchter.
Eines der damals beliebten Hochzeitsgedichte wurde auf die Hochzeit der ältesten Tochter
Elisabetha mit Hans Heinrich Landolt (1621-1693, seit 1671 Ratsherr) verfaßt. Sein Titel lautet:
«Hochzeit-Gedichte, zu sondern Ehren und Wohlgefallen dem Frommen, Ehrenvesten
und Vorgeachten Herrn Hans Heinrich Landolt, Hochzeitern: Des Frommen,
Ehrenvesten, Fürnemmen, Fürsichtigen und Weysen Herren Herren Matthias Landolt,
des Raths von der freyen Wahl löblicher Stadt Zürich, und Obervogt zu Horgen,
Tallweyl und Kilchberg eheleiblichem Sohn: Wie auch der vil Ehren- und Tugendreichen
Jungfr. Elsbetha Pestalutzin, des Edlen, Frommen, Ehrenvesten, Weysen und
Vilachtbaren Herrn Herrn Johann Antoni Pestalutzen, berühmten Handels-Herrn,
ehelicher Tochter: Auf dero, den 30 Weinmonat zu Zürich gehaltenes Hochzeitliche
Frewden-Fest, von wolmeinenden Freunden verfertiget. Im Jahr 1643.»
Die zweite Tochter Magdalena heiratete 1653 einen entfernten Verwandten, den
Seidenfabrikanten Hans Georg Orell zum Gemsberg (1623-1706). Da die Zürcher reformierte
Eheordnung die Heirat im dritten Verwandtschaftsgrad nicht erlaubte, ließen sie sich
außerhalb den Gerichten der Stadt, in Gebensdorf (Aargau), trauen. Sie wurden daher um
600 Pfund gebüßt, die Ehe wurde aber in Zürich anerkannt. Hans Georg Orell wurde 1671 als
Gesandter nach Venedig abgeordnet und 1689 von der Zunft zur Saffran als Zwölfer in den
Großen Rat gewählt.
Die dritte Tochter, nach ihrer Mutter Katharina getauft, war in erster Ehe mit dem Apotheker
Hans Georg Ott im Schnabelberg (1633-1672), in zweiter Ehe mit Obmann Hans Jakob
Eberhard vermählt.
Auch die jüngste Tochter, Anna, heiratete einen entfernten Verwandten, den Kaufmann
Johann Römer vor dem Rennwegtor (1630-1701). Sie erhielten trotz ihrer Verwandtschaft die
behördliche Bewilligung, «Eheleuth zu werden», mußten dafür aber 200 Gulden Buße
bezahlen und die Auflage, «die hochzyt ussert der Statt wol aber in meiner gn. Herren
Landschaft anzustellen»
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. Es war eine menschliche und ihren Bürgern gnädige Obrigkeit, die
gegenüber allzustrengen Vorschriften wohl ein Auge zudrückte, wenn man den richtigen
Ton für sein Bittgesuch fand - und die auch gleich die Buße zum voraus festsetzte!
Andere Pestalozzi in Zürich
Außer unserem Stammvater Johann Anton Pestalozzi waren zeitweise auch andere Glieder
der Familie nach Zürich gekommen, da die Stadt als Handels- und Glaubenszentrum
nördlich der Alpen auf die Anwohner der Paßstraßen stets große Anziehungskraft ausübte.
Im Jahre 1563 hielt sich in Zürich Vincenzo Pestalozzi von Chiavenna auf. Er wies sich durch
Patentschriften seiner heimatlichen Obrigkeit als Erfinder aus. Seine Kunst war in den
Hungerjahren, 1562 und folgenden, besonders nützlich, denn sie bestand darin, aus wilden
Kastanien Brot zu machen. Von der Gemeinde Prata, der er seine Erfindung auf Grund eines
Übereinkommens zur Verfügung gestellt hatte, war er nicht bezahlt worden. Es war ihm
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Staatsarchiv Zürich, Ratsmanual 506, S.70 (25.4.1660).