ergangen wie manchem Erfinder. In Zürich war für eine solche Kastanienverwertung keine
Gelegenheit. Merkwürdigerweise ging Vincenzo Pestalozzi den Rat von Zürich um Hilfe an,
um seine Ansprüche gegen die Gemeinde Prata geltend zu machen. Und was noch
merkwürdiger ist, er scheint in Zürich einen so guten Eindruck gemacht zu haben, daß die
Behörde sich mit einem Schreiben für diesen Unbekannten - der Name Pestalozzi war dem
Zürcher Ratschreiber noch so wenig geläufig, daß er ihn bald «Pastilius» bald «Pestilano»
schreibt -
bei den Bündner Gerichtsinstanzen verwendete. Vincenzo Pestalozzi mußte
natürlich seine Ansprüche gegen die bündnerischen Untertanengemeinden in Graubünden
führen
99
.
Tafel 019 Hans Jacob Pestaluz, 1628-1672, Richter am Stadtgericht
Fünfzig Jahre später nahm ein direkter Vetter des Zürcher Stammvaters, der Sohn seines
Onkels Ippolito, des Konsuls von Chiavenna, Vincenzo Pestalozza (Stammtafel 3), nähere
Beziehungen mit Zürich auf. Zunächst kam er nur gelegentlich auf der Durchreise hier
vorbei. Dann zog er mit seiner Familie vorerst nach Chur, wo seine Tochter getauft wurde
100
.
Als aber die Lage der Protestanten in Chiavenna unhaltbar geworden war und dort die
religiösen Verfolgungen einsetzten, ließ er sich mit seiner Frau, Anastasia Cazzola,
vorübergehend in Zürich nieder. Hier kam sein Sohn Conrad zur Welt und wurde 1620 im
Großmünster getauft
101
. Später zog diese Familie wieder nach Chiavenna.
In dem Flüchtlingsstrom, der nach dem Veltliner Mord über die Alpen kam und vom
protestantischen Zürich gastfreundlich aufgenommen wurde, befanden sich auch einige
Pestalozzi, die zu den hervorragendsten Gliedern der reformierten Gemeinde von Chiavenna
99
Staatsarchiv Zürich, Missiven B IV, 23, S.96 (1593); Staatsarchiv Chur, Bundestagsprotokolle, Bd.4, S.7
(1574).
100
Staatsarchiv Zürich, Ratsurteile B VI, 14, S.76 (5.11.1607); Stadtarchiv Chur, Taufbuch St. Martin
(24.11.1612).
101
Stadtarchiv Zürich, Taufbuch Großmünster (1620).