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Ein unruhiger Geist
Eine eigenartige Figur von unstetem Charakter war der älteste Sohn des Franziskus Pestaluz-
Keller, Johann Anton (1599-1653), zum Unterschied von Johann Anton Pestaluz-Schwyzer,
«der Jüngere» genannt. Auch er hat sich als Kaufmann betätigt und ist der Zunft zur Saffran
beigetreten. In der Zürcher Miliz wurde er bald Leutnant. Er war aber auch der Anführer
einer Schar ausgelassener junger Freunde. Mehrmals mußte der Rat die ungestümen
Bürgersöhne an die Zügel nehmen.
Am 25.April 1625 mußte er wegen eines bösen Streites vor dem Rat erscheinen.
Im Wirtshause zum Adler waren mehrere junge Herren (Anton Pestaluz, Rudolf Steiner,
Hans Conrad Werdmüller und Peter Füssli) mit einigen Handwerkern in Streit geraten,
wobei zu den Waffen gegriffen wurde und Pestaluz und ein Kupferschmiedgeselle (Georg
Schleich von Ehingen), der zum Frieden gemahnt hatte, bedeutende Verwundungen
erhielten. Die Klage gelangte vor den Rat, und dieser fällte folgenden Entscheid: Pestaluz, als
der Urheber des Streites, solle den Schaden der erhaltenen Wunden und der Kosten an sich
tragen; hingegen sollen obgenannte vier Herren die Kosten für Pflege und Arznung des
verwundeten Gesellen tragen und eine Buße von 25 Pfund erlegen. Auch dem Hauptgegner
derselben, dem Schuster Felix Zubler, wird eine Buße von 5 Pfund auferlegt. Den dem
Pestaluz zugehörigen, verlorenen, aber wieder gefundenen Mantel kann er wieder in Besitz
nehmen. Im übrigen erhielten die jungen Herren vom Rat noch einen ernstlichen Zuspruch,
daß sie wegen dieses und anderen die Zeit her verursachten nächtlichen Unfugs mal eine
andere Buße und Gefängnis verdient hätten und daß sie sich fürderhin auf den Gassen
bescheidentlicher zu verhalten hätten, ansonsten sie den Ernst der Obrigkeit gar bald
verspüren dürften
107
.
Die jungen Herren konnten es aber nicht lassen, die strengen Vorschriften gegen
Wirtshausbesuch und Kartenspiel gelegentlich kräftig zu übertreten. Als Antoni Pestaluz mit
David Füssli, Jakob Haller und Kaspar Koller wieder einmal im «Sternen» länger verweilten
als erlaubt, da erließ ihnen der Rat zwar die Buße, aber er verfügte:
«Hienebent aber soll Inen mit ernst undersagt werden, daß sy sich fürohin deß trinkens
und spilens wider myner Gn. H. Mandat und Satzungen inn heimlichen Orten und
wirtshüseren by Jr myner herren ungnad sich enthalten, Innsonderheit aber sölle M.
Koller sich deß Inzugs von jungen Burgeren Inn synem huß und schergaden gentzlich
müssigen
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Eine ernstere Angelegenheit war die Teilnahme Anton Pestalozzis an einem Auflauf, der im
Zusammenhang mit den kriegerischen Ereignissen des Dreißigjährigen Krieges stand.
Am 26.März 1632 war der österreichische Oberst und Generalkommissar d‘Ossa in Zürich
erschienen und im Gasthaus zum Schwert abgestiegen. Sein Erscheinen versetzte die
Bevölkerung Zürichs in Aufregung, denn sie hatten mit innerer Anteilnahme die Geschicke
des schwäbischen Nachbarlandes verfolgt. D‘Ossa, der es verstanden hatte, sich durch seinen
Übertritt zur katholischen Kirche einen hohen Rang zu erschleichen, hatte sich durch
Grausamkeit und Bedrückung den allgemeinen Haß der Bevölkerung in Schwaben
zugezogen. Als das schwedische Heer siegreich vordrang, hatte er sich nicht mehr sicher
                                                
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Staatsarchiv Zürich, Ratsmanual 369, S. 61(25.4.1625).
108
Staatsarchiv Zürich, Ratsmanual 402, S. 46 (5.12.1633).
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