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gefühlt und seine Familie nach Luzern geschickt. Er selbst wollte ihnen folgen und hatte den
Rat von Zürich um sicheren Durchpaß für sich und sein Gefolge ersucht. Wie so oft hatte
auch diese Behörde nach Klugheit und Staatsräson gehandelt und nicht nach dem Herzen
und der Sympathie des Volkes. Wie ein Lauffeuer verbreitete sich die Nachricht von der
Ankunft dieses verhaßten, «grausamen Mameluken» in der Stadt. Wortführer der
zusammenlaufenden Menge war ein Vetter Anton Pestalozzis, Heinrich Keller, genannt «Bös
Hein»‚ der unter König Gustav Adolf gedient hatte, in österreichische Gefangenschaft geraten
war, aber als Schweizer auf das Versprechen hin, nicht mehr gegen Österreich zu kämpfen,
wieder in Freiheit entlassen worden war. Er scharte einige junge Patrizier und verwegene
Bürger um sich, die den Plan faßten, d‘Ossa zu ermorden. Es waren dabei Junker Georg
Berger, Meister Caspar Brändli, Meister Hans Jakob Kippenhan, Meister Johannes Knöwl,
Meister Heinrich Von Leer, Hans Conrad Werdmüller, Peter Füssli, Rudolf Keller, Junker
Anton Pestaluz, Meister Hans Froschauer der Papierer, Meister Caspar Waser der Sigrist,
Meister Rudolf zur Eich, Meister Andreas Bräm und Junker Andreas Berger. Als der Rat von
dieser Verschwörung Kenntnis erhielt, trat er zu einer außerordentlichen Sitzung zusammen,
um diese Bedrohung des Friedens der Stadt abzuwenden. Eine Abordnung warnte Keller vor
jeder Gewalttat. Er aber weigerte sich trotzig und erklärte, die ganze Stadt stehe hinter ihm.
Darauf warnte der Rat d‘Ossa, der heimlich die Stadt verließ. Die Verschwörer aber gaben ihr
Vorhaben nicht auf. Sie verfolgten d‘Ossa auf der Straße nach Mellingen, um diesen
«Tyrannen» unschädlich zu machen. Da der König von Schweden einen Preis von 20000
Reichstalern auf seinen Kopf gesetzt hatte, hatten sie sich mit einem ledernen, wohl
verpichten Sack versehen, seinen Kopf aufzubewahren. Sie holten ihn aber nicht mehr ein.
Die enttäuschten Verschwörer fielen auf dem Heimritt ins Kloster Wettingen ein, betranken
sich am guten Klosterwein und trieben viel Mutwillen und Unfug. Ein kaiserlicher Reiter, der
in der Grafschaft Baden auf Werbung lag, kam ihnen beim Fahr von Wettingen in die Quere
und wurde verprügelt. Aber auf seine Hilferufe griffen zwanzig Klosterknechte ein und
trieben die Zürcher Herren endlich in die Flucht. Den Anführer Keller hatten sie erwischt
und führten ihn gefangen nach Baden.
Der Zürcher Rat wollte ihn seinem Schicksal und dem katholischen Landgericht in Baden
überlassen. Darüber entstand erneut große Aufregung. Jetzt griff sogar die Geistlichkeit ein
und überredete den Rat, Kellers Auslieferung zu verlangen. Dieser hatte inzwischen aus dem
Kerker entweichen können. Jedermann war daher froh, daß die Sache ohne weitere Folgen
niedergeschlagen werden konnte und daß damit ein Zwischenfall erledigt war, der
weitgehende Folgen für den Frieden des Landes hätte haben können und der die Regierung
in große Sorgen versetzt hatte
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Junker Anton Pestaluz kehrte zu seiner bürgerlichen Tätigkeit zurück. Für die Ausübung des
Berufes als Kaufmann scheint es ihm aber an der nötigen Stetigkeit gefehlt zu haben. So
versuchte er sich als Anwalt. Dazu gehörte weiter keine Ausbildung; lediglich ein
Probeprozeß mußte geführt werden, wobei der Kandidat sich über die notwendigen
Kenntnisse ausweisen konnte. Anton Pestaluz bewarb sich 1633 um die Stelle als Anwalt
(«Ratsredner») und wurde zum «Probstuck» zugelassen. Ich habe aber nur einen einzigen
«Fall» gefunden, den er als Anwalt vertrat. Als nämlich die Wirtin «Zum Rappen» einen
Schuldner hatte verhaften lassen, zeigte es sich, daß dieser im Gefängnis täglich so viel
                                                
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Der Vorfall ist ausführlich geschildert bei Leo Weisz, Geschichte der Familie Werdmüller, Zürich 1949, Bd.
2, S. 39.
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