in die neuen Anlagen einbezogenen Liegenschaft wurde Anton Pestaluz ferner verpflichtet,
die Treppe zum Wasser der Limmat hinunter offen zu halten, jedoch die Türe dazu -
so
bestimmte der väterlich besorgte Rat - sei zu versehen «mit einem griff dene die Khinder fit
ufthun könind»
111
.
Bei dem unruhigen Charakter Anton Pestalozzis ist es nicht zu verwundern, daß er mit der
Zeit in Schwierigkeiten geriet, und er mußte froh sein, daß sein Onkel ihm 1649 sein Haus vor
dem Niederdörfler Tor abkaufte.
Anton Pestalozzi der Jüngere starb 1653. Kurz vorher hatte er in zweiter Ehe Barbara Gysler,
verwitwete Weidmann, geheiratet. Bei seinem Tode waren seine vier Söhne auf der
Wanderschaft. Nur einer davon ist wieder nach Zürich zurückgekehrt. Eine Tochter Regula
war bereits verheiratet; sie nahm sich der beiden kleinsten Kinder an
112
.
Ein Rittergut in Schlesien
Die Söhne Anton Pestalozzis haben kein gutes Andenken an das Elternhaus mit in die
Fremde genommen. Der älteste, Melchior (1631-1664), ging in österreichische Kriegsdienste;
er fiel im Krieg gegen die Türken vor Neutra in Ungarn (heute Tschechoslowakei). Der
zweite, Franz (geb. 1633), löste sich völlig von der in Zürich erhaltenen Erziehung, er wurde
katholisch und trat 1657 in Wien in den Jesuitenorden ein.
Auch ein dritter Sohn, Hans Jakob (1638-1688), hatte das kriegerische Temperament seines
Vaters geerbt. Er wurde Soldat unter Prinz Ruprecht, Pfalzgraf bei Rhein. Im Krieg der
kaiserlichen und brandenburgischen Truppen gegen die Schweden nahm er auf seiten des
Kaisers teil und machte 1658 den Zug nach Stettin mit. Dann kam er nach Schlesien und ließ
sich 1661 in Breslau nieder, wo er seine Frau, Catharina Link, gefunden hatte. Er war
inzwischen katholisch geworden. Als die Türken (1660-1664) immer weiter gegen Mähren
und Schlesien vordrangen und dort kaiserliche Truppen (Landvölker) geworben wurden,
meldete er sich wieder zum Dienst als Fähnrich im Regiment Schönkirchen. Mit diesem
Regiment zog er bis nach Ungarn hinein. Bei Szent Gotthard an der Raab errangen die
Kaiserlichen unter Montecuculi den entscheidenden Sieg über die Türken. Nach seiner
Rückkehr nach Breslau wußte sich Hans Jakob Pestalozzi bei der königlichen Verwaltung
nützlich zu machen. Er hatte den Rittersitz Ulbersdorff in Schlesien an der Schnellen Deichsel
(etwa 20 km westlich Liegnitz) erworben. Mit Datum vom 24.September 1677 erlangte er von
Kaiser Leopold eine Adelsbestätigung und die Aufnahme in den Ritterstand des Königreichs
Böhmen. Die schöne Urkunde ist nach dem Aussterben seiner männlichen Nachkommen
1787 an die Zürcher Familie zurückgekommen und wird im Familienarchiv auf bewahrt
113
.
Ritter Johann Jakob Pestaluz hatte sich von seinem Vetter in Zürich den alten, 1659 gemalten
Stammbaum kommen lassen und ihn der kaiserlichen Kanzlei vorgelegt. Weil dort als
Stammvater «Albertus Pestaluzza de Grabedona» aufgeführt ist, erhielt er in seinem
Adelsdiplom neben den Lehenartikeln auch das Prädikat «von Pestaluzi und Grabedona,
allermaßen seine Vorfahren vor alters geführet». Er ließ es sich angelegen sein, sein
Ritterdiplom bei allen Oberamtskanzleien Schlesiens und Böhmens registrieren zu lassen.
111
Neujahrsblatt der Feuerwerkergesellschaft Zürich 1919, S. 50 (Das Projekt Wertmüller für die
Stadtbefestigung von 1641).
112
Staatsarchiv Zürich, Ratsmanual 422, S. 63 (1.12.1638); 432, S. 16 (7.2.1641). Staatsarchiv Zürich, Abteilung
«Sonderbare Personen», Mappe 9 (31.10.1653); Ratsmanual 496, S. 61 (7.9.1657).
113
Familienarchiv Zürich, Zentralbibliothek, Nr.113, Ritterstandsdiplom, dat. Ebersdorf 24.9.1677.