Auch ein um zwölf Jahre jüngerer Bruder Conrads war nach Amsterdam gezogen, Johann
Anton Pestaluz (1630-1667). Er hat ebenfalls der Zürcher Burgerbibliothek ein seltenes Werk
gestiftet, einen Atlas Coelestis mit der Widmung von «Johann Antoni Pestaluz, der Dritte diß
Namens von Vater und Großvater» und dem schön gemalten Familienwappen auf dem
Widmungsblatt
123
.
Conrad Pestaluz hatte zwei Söhne hinterlassen, die von ihrer Mutter auferzogen wurden und
das Kaufhaus Pestalozzi in Amsterdam weiterführten. Sie legten Wert darauf, ihr Zürcher
Bürgerrecht zu behalten. Es ist für uns heute eine Selbstverständlichkeit, daß im Ausland
geborene Schweizer ihr Schweizerbürgerrecht «erben» und durch Generationen auf ihre
Nachkommen weiter übertragen. Dieser Grundsatz ist aber erst etwa hundert Jahre alt. Daß
es in früheren Jahrhunderten anders war, ist in den letzten Jahren, als zahlreiche
Kriegsflüchtlinge und Emigranten sich plötzlich ihrer ursprünglichen Schweizer
Abstammung erinnerten, auch von unsern Gerichten festgestellt worden. In der alten
Eidgenossenschaft verloren die Nachkommen der Ausgewanderten ihr angestammtes
Bürgerrecht, wenn sie sich nicht periodisch um die Erneuerung bewarben. Die Familie
Pestalozzi in Amsterdam ist dafür ein treffliches Beispiel.
Tafel 026 Cleophea Pestaluz geb. Bullinger, 1678-1743.
Gattin des Hans Conrad Pestaluz, 1660-1745.
Zunächst stellte der Zürcher Rat bei Anlaß der Erbteilung nach dem Tode ihrer Großmutter,
123
Zentralbibliothek Zürich, T 4.