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der Kaufleutezunft zur Saffran beigetreten, der sein Vater und Großvater angehört hatten. Er
war ausersehen, das Stammhaus zum Brünneli weiterzuführen. Zunächst allerdings wohnte
im «Brünneli» bei den Eltern der dritte Sohn,
Hans Heinrich
(1625-1697). Dieser heiratete 1677
Catharina Michel und zog nach dem Tod des Vaters aus, um im «Neumarkt» ein
zurückgezogenes Leben zu führen, denn er war, wie es im Stammbüchlein heißt, «um sein
Gesicht gekommen».
Rudolf Pestaluz war in der Firma seines Vaters tätig. Seine Geschäfte führten ihn auf der
Reise nach Italien des öftern ins Bündnerland und nach Chur. Dort hatte sich seit 1620
Hauptmann Johann Anton Pestalozzi aus Chiavenna (1599-1659), der mit Claudia von Salis
vermählt war, niedergelassen. Dieser pflegte nicht nur ausgedehnte Beziehungen mit den
einflußreichen Kreisen Zürichs, sondern führte auch ein großes Haus. Dort war Rudolf
Pestaluz aus Zürich ein gern gesehener Gast. In Chur lernte er seine Braut kennen, Eva
Felicitas Pestaluz. Sie entstammte der in Wien ansässigen Familie der Pestalozzi. Ihr Vater,
Stefan Pestaluz de Luna (1601 bis 1659), hatte sich mit seinen Brüdern in Wien niedergelassen
und dort ein großes Bankhaus gegründet. Vom Kaiser war diesen Brüdern der
Reichsadelsstand bestätigt worden, 1635 wurden sie auch in den Adel des Königreichs
Ungarn aufgenommen. Von seiner Frau, Rosina Foresti von Preßburg, hatte er einen Sohn
und vier Töchter, denen er allen den schönen Zunamen Felicitas gab. Im Jahre 1644 war
Stefan Pestaluz mit seiner Familie nach Chur gekommen. Eva Felicitas war damals vier Jahre
alt. Mit dem Hause der Pestalozzi in Chur war er verwandtschaftlich verbunden, weil seine
Nichte Eva Catharina den Sohn des Churer Stammvaters, Octavius Pestalozzi aus Chur,
geheiratet hatte. Eine zweite Verbindung zwischen dem Churer und dem Wiener Zweig
ergab sich durch die Vermählung der Tochter Stefans, Anna Felicitas, mit Silvester von
Rosenroll aus Thusis, der durch seine Mutter Enkel des Churer Stammvaters, des
Hauptmann Johann Anton Pestalozzi, war. Zur näheren Erläuterung dieser
verwandtschaftlichen Zusammenhänge sei auf die Stammtafeln der Pestalozzi-Chur (30) und
Pestalozzi-Wien (31) verwiesen. Ende Februar 1659 starb Stefan Pestaluz in Chur, nachdem
sein einziger Sohn schon 1651 ihm im Tode vorangegangen war. Der Tochter Eva Felicitas,
die damals neunzehn Jahre alt war, nahm sich Johann Anton Pestalozzi-von Salis väterlich
an.
Die Verlobung zwischen Rudolf Pestaluz und Eva Felicitas wurde daher in Chur in dem
prächtigen Hause Johann Anton Pestalozzis, dem sogenannten «Unteren Spaniöl» gefeiert,
dessen schöner, wappengeschmückter Gartensaal sich dafür besonders eignete. Über die
Feier und die Teilnehmer sind wir durch Rudolfs «Hausbüchlein» gut orientiert
130
. Da sind
alle die Herren und Damen, die in Halskrause und Spitzenmanschetten am Fest teilnahmen,
aufgezählt nach Rang und Titel.
«Bei der Verlobnuß zu Chur haben sich folgende Ehrenpersonen eingefunden:»
Ihr Ehrwürden Herr Hartmann Schwarz als Einsegner, der protestantische Pfarrer von Chur.
Ihr Ehrwürden Herr Vincenzo Parauicino (1595-1678), der Pfarrer der italienischen
reformierten Kirche in Chur. Er war Pfarrer in Castasegna gewesen, mußte nach dem
Veltlinermord fliehen und wurde Rektor des Gymnasiums in Chur.
                                                
130
Familienarchiv Zürich, Zentralbibliothek, Ehebüchlein des Johann Anton Pestaluz-Schwyzer, fortgeführt
durch Rudolf Pestaluz.
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