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berühmten Giovanni Battista Tiepolo in die Lehre kam, im August 1732:
«Die Reise ging glücklich über den Gotthard gen Lugano, von da nahm ich ein Pferd
und einen Kerl bis nach Bergamo, da solt ich mich in der Kunst sowohl als in der Sprach
exerzieren, ich logierte bei den Herren Pestaluzen, mit welchen ich die Ehr hab in
etwelcher Blutsverwandtschaft zu stehen. Da fande ich gar viele Landsleuth, Söhne der
vornehmsten Kaufleute von Zürich. Da gabe es täglich Lustpartheyen, bald zu Pferd
bald in Chaises, unter anderem machten wir eine solche Exkursion nach Piacenza, den
Don Carlos, nachhero König beyder Sicilien und dermahlen König in Spanien, welcher
neu aus Spanien in Italien kommen und vom Herzogthum Parma und Piacenza Besitz
nahme, zu sehen. Die bei diesem Anlas angestellten Solennitäten, als Opera, Komedien,
Feuerwerk, Illuminationen, und andere Spiel, Schönes Frauenzimmer, die besten
Wirtshäuser, Gelts genug, alle Zeit die edelste Compagnie, die Ruckreis über Mayland
mit Extrapost, zu Bergamo selbsten alle Tag andere Divertissements, dauerten bis End
des Jahres
137
So der Künstler über das Leben der Zürcher Kaufleute im Stile des vornehmen Venezianer
Adels.
Kein Wunder, daß mehrere Pestalozzi dabei waren, als einige Zürcher den Versuch machten,
etwas von dieser feinen und unbeschwerten Lebensart nach Zürich zu bringen. Vierzehn
Kaufmannssöhne, darunter drei Pestalozzi, gründeten 1743 die Società di San Marco, um die
Erinnerung an ihre in Italien verbrachte Zeit lebendig zu erhalten. Sie erwarben ein kleines,
vom Wasser umspültes Weiherhaus in der Nähe des heutigen Bahnhofs Enge, das sie
«Venedigli» nannten. Dort versammelten sie sich alle vierzehn Tage, wobei sie in
venezianischem Mantel und Degen zu erscheinen hatten. Am Markustag war
Rechnungsablage der Gesellschaft mit solennem Essen. Zweimal im Jahr gab der Präsident (il
Castellano) den Mitgliedern ein Essen, und einmal luden diese (i Nicolotti) den Präsidenten
zu Tisch. Eine Münze, die 1744 für die Gesellschaft in vierzehn goldenen und vierzehn
silbernen Exemplaren geprägt wurde, zeigt den Markuslöwen. Die Vereinigung löste sich
1772 auf
138
. Trotz der engen verwandtschaftlichen Beziehungen zu den regierenden Familien
Zürichs beteiligten sich die Glieder der Familie Pestalozzi bis in die zweite Hälfte des
l8.Jahrhunderts nicht an der Regierung. Erst als einzelne die angestammte Zunft zur Saffran
mit einer andern Zunft vertauschten, gelangte erstmals ein Pestalozzi in den Großen Rat.
Denn es war naturgemäß für einen weitgereisten und geschulten Kaufmann leichter, von
einer Handwerkerzunft gewählt zu werden als in der großen Zahl seinesgleichen auf der
Kaufleutezunft.
Nach zürcherischer Sitte wurde oft dem Geschlechtsnamen noch der Name des Hauses
beigefügt. Statt einer prosaischen Nummer hatte in der guten alten Zeitjedes Haus einen
eigenen, oft originellen Namen. Diese Bezeichnung war besonders nötig bei den Familien, die
zahlreiche Glieder mit gleichem Taufnamen zählten. So sind denn auch die Nachkommen
Andreas Pestalozzi-Heideggers nach ihren Häusern genannt worden. Wenn wir ihren
Schicksalen nachgehen, so wollen auch wir ihren Häusern folgen
                                                
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Zürcher Taschenbuch 1930, S.64.
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Über die «Società di San Marco» und das «Venedigli» vgl. Neujahrsblatt Waisenhaus, 1880. F. O.
Pestalozzi, Zürich, Bilder aus fünf Jahrhunderten, Zürich 1925, S.225.
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