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reformierten Kirchen ihre Tore dem Strom der Flüchtlinge, die um ihres Glaubens willen aus
ihrer Heimat vertrieben worden waren. Und jedesmal war die Familie Pestalozzi in
besonderer Weise mit diesen Flüchtlingen verbunden. Das erstemal waren es die standhaften
Locarner, die, durch die katholische Mehrheit der im Tessin regierenden eidgenössischen
Orte
Tafel 034 - Pestalozzi, Bodmer und Bullinger Wappen
von Heim und Haus vertrieben, in Zürich eine neue Heimat fanden. Mit ihnen war unser
Stammvater durch seine zweite und dritte Ehe in verwandtschaftliche Bindung getreten.
Fünfundsechzig Jahre später hatten die reformierten Familien aus Chiavenna, die dem
Schrecken des Veltlinermordes entflohen waren, hier gastliche Aufnahme gefunden. Unter
ihnen waren zahlreiche Glieder der Familie Pestalozzi, zum Teil nahe Blutsverwandte der
Zürcher Familie, für ein längeres oder kürzeres Asyl hieher gekommen. Und wiederum
fünfundsechzig Jahre später, als in Frankreich durch die Aufhebung des Ediktes von Nantes
(1685) die reformierten Franzosen ausziehen mußten und scharenweise in allen
protestantischen Ländern Zuflucht suchten, kamen viele Hugenotten in das gastfreundliche
Zürich. Behörden und Bevölkerung taten, was in ihrer Macht stand, um das Los der
Unglücklichen zu mildern. Unter denen, die mit ihren Mitteln die Exulanten kräftig
unterstützten, stand diesmal in vorderer Linie Hans Conrad Pestaluz (1660-1745). Seine
Gebefreudigkeit trug ihm den Titel eines «pater pauperum» (Vaters der Armen) ein.
Er war der dritte Sohn Hans Conrad Pestaluz-Rahns im Weißen Turm. Nach der üblichen
Ausbildung an den Zürcher Schulen und in Lyon trat er in das väterliche Geschäft und führte
dieses zusammen mit seinen Brüdern unter der Firma «Hans Conrad Pestaluz und
Gebrüder» weiter. Sein Seidengeschäft folgte den traditionellen Bahnen. Er verstand es, die
Beziehungen mit Bergamo weiter auszubauen. In der Vertretung seiner Interessen, die sich
auf dem zürcherisch-venezianischen Bündnisvertrag aufbauten, wurde er durch die Zürcher
Behörden und durch den venezianischen Gesandten in Zürich, Capello, kräftig unterstützt
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Er gründete in Bergamo eine eigene Firma «Gio. Conrado Pestaloza et fratelli», später «Gio.
Conrado Pestalozza e figli in Bergamo». Die rohe Seide wurde über die Bündner Pässe nach
Zürich transportiert, wobei sich die verschiedenen Transportfirmen für die einzelnen
Strecken, Transport auf Saumtieren, zu Wagen und zu Schiff, ablösten. Die strengen lokalen
Transportordnungen, die verlangten, daß über jede Strecke die ortsansässigen Fuhr- und
Schiffsleute berücksichtigt wurden, trugen nicht zur Vereinfachung des Warentransports bei,
und gelegentlich verschwand auf der langen Reise auch etwa ein Ballen Seide.
Den Absatz seiner Waren fand er vor allem in Lyon. Er baute seine Geschäftsbeziehungen in
                                                
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Staatsarchiv Zürich, Ratsmanual 708, S. 75 (8.9.1710) und S. 128 (10.11.1710); 777, S. 68 (26.5.1728);
Ratsurkunden B V, Bd. 115, S.6 (14.12.1725); B V, Bd. 118, S.74 (9.1.1734).
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