Frankreich weiter aus. In Paris war der Finanzrat Jean Baptiste Rapalli sein Vertreter
153
. Als
angesehener Seidenherr wurde Johann Conrad Pestaluz 1711 ins Kaufmännische Direktorium
in Zürich gewählt.
Im Jahre 1688 hatte er sich mit Ursula Bodmer vermählt. Sie war die Tochter des
Druckerherrn Johann Jakob Bodmer-Hirzel, Zunftmeister zur Zimmerleuten und Feldoberst
der Zürcher im Toggenburger Krieg. Da sie eine Enkelin von Johann Jakob Bodmer-Pestaluz
und somit mit ihrem Manne verwandt war, mußte das Paar vor der Hochzeit den üblichen
Ehedispens gegen Erlegung von 100 Gulden Buße einholen
154
. Von den dreizehn Kindern
dieser Ehe erlangten nur zwei Söhne ein höheres Alter. Nach dem Tode seiner ersten Frau
heiratete Hans Conrad Pestaluz die Tochter des Pfarrers Heinrich Bullinger-Edlibach in
Richterswil, Cleophea Bullinger. Von ihrer Mutter her stammte sie von Oberst Jakob Steiner,
Herrn zu Uitikon, dem Anführer der Zürcher im Veltliner Krieg, ab. Aus der zweiten Ehe
gingen sechs Kinder hervor, aber wieder kamen nur zwei Söhne zu höherem Alter.
Um das Jahr 1695 kaufte Johann Conrad Pestaluz das alte Familienstammhaus, das seit 1685
«Zum Brünneli» genannt wurde, von seinem Vetter Sensal Rudolf Pestaluz. Aber erst im Jahre
1734 verlegte er den Sitz seines Geschäftes aus dem väterlichen «Weißen Turm» ins
«Brünneli»
155
. In diesem Jahr nahm er seine drei Söhne, Hans Rudolf, Hans Jakob und Hans
Heinrich, als Gesellschafter in sein Geschäft auf. Der älteste, Hans Conrad, war bereits
gestorben. Von da an hieß die Firma «Hans Conrad Pestalozzi und Söhne beim Brünneli». Sie
hatte eine gesicherte Stellung unter den zürcherischen Exportfirmen und steht beispielsweise
1748/49 mit 1570 lb. Pfundzoll an neunzehnter Stelle. Die Söhne Hans Conrads finden wir im
«Trauben», im «Brunnenhof» und im «Steinbock».
Der jüngste Sohn, Johann Heinrich Pestaluz (1714-1760), übernahm 1745 aus der Erbschaft des
Vaters das Stammhaus zum Brünneli. Er gehörte zu den wohlhabenden jungen Kaufleuten,
die den feineren venezianischen Lebensstil und ihre Erinnerung an die italienischen Jahre in
der Società di San Marco im «Venedigli» pflegten. Johann Heinrich Pestaluz hatte sich neben
seinem Seidengeschäft auch im Verwaltungsfach ausgebildet und eine Zeitlang in der
Stadturbarschreiberei gearbeitet
156
. Zu einem politischen Amt hat er es aber nicht gebracht.
Dies blieb erst der nächsten Generation vorbehalten. Dafür wurde er 1749 in der Zürcher
Miliz zum Hauptmann befördert, wobei er die besondere Weisung erhielt, in seinem
Militärbezirk Bülach die neu beschlossene Uniformierung («die der Mond- und Armatur
halber ergangene hochoberkeitliche Verordnung») «bestmöglich» einzuführen
157
. Seine
Gattin Regula von Orelli, die Tochter Johann Konrad Orells zum Spiegel, schenkte ihm drei
Söhne, die sie nach dem frühen Tod ihres Gatten zu angesehenen Männern erzog.
Johann Heinrich Pestaluz hat seinen Namen auf den berühmtesten Sproß unserer Familie
übertragen. Er war der Taufpate Heinrich Pestalozzis. Sehr häufig hielt er sich in seinem
Geschäft in Bergamo auf, das nun «Signori Pestalozza e Comp.» hieß
158
. In Bergamo ist er
auch gestorben (1760).
153
Staatsarchiv Zürich, Ratsurkunden B V, Bd. 115, S.84 (17.3.1725), Bd. 126, S.37 (16.1.1743).
154
Staatsarchiv Zürich, Ratsmanual 621, S.123 (14.11.1688).
155
A. Corrodi-Sulzer, Das Haus zum Brünneli, im Zürcher Taschenbuch 1937, S.28 if. Dieser Abhandlung sind
auch die folgenden Angaben dieses Abschnittes entnommen, soweit nicht andere Quellen angegeben sind.
156
Staatsarchiv Zürich, Ratsmanual 812, S.211 (8.12.1736).
157
Staatsarchiv Zürich, Ratsmanual 862, 5. 139 (30.4. 1749).
158
Staatsarchiv Zürich, Ratsurkunden B V, Bd. 133, 5. 161 (23.9.1758).